UX Design (User Experience Design) ist der Prozess, den Designteams nutzen, um Produkte zu kreieren, die Nutzern ein angenehmes und bedeutungsvolles Erlebnis bieten. Dazu gehört das Designen des gesamten Prozesses rund um den Erwerb und die Integration des Produkts, einschließlich Teilen des Brandings, des Designs, der Usability und der Funktion. Dir begegnen die Regeln des UX Designs immer dann, wenn du die App eines großen Unternehmens oder eines seiner Produkte nutzt. Durch UX Design lassen sich zudem Webseiten einfach und angenehm bedienen.

illustration: UX design regeln
Durch UX Design lassen sich Webseiten einfach und angenehm bedienen. Illustration von OrangeCrush.

Wenn du anfängst, dich mit der Welt des Webdesigns zu beschäftigen, wirst du ziemlich schnell auf das Konzept der User Experience (UX) stoßen. UX Design entstand wohl 1988 mit der Veröffentlichung von Donald Normans The Design of Everyday Things

Norman, der damals Chefdesigner bei Apple war, nutzte das Buch, um auf die Komplexität des Designs von Dingen aufmerksam zu machen, die häufig übersehen werden. Seitdem hat sich UX Design weiterentwickelt und verändert und ist heute die vorherrschende Denkweise in Bezug auf nutzerorientiertes Design.

Icon designs basierend auf alltäglichen objekten
Das Design der Icons ist eine der wichtigen Regeln des UX Designs. Von Adam Muflihun.

Trotz der Beliebtheit dieses Konzepts wissen viele Designer noch immer wenig über die Kernprinzipien des UX Designs: Tatsächlich herrscht eine anhaltende Debatte darüber, wie der Begriff zu definieren ist. Viele Designer haben zwar die vage Vorstellung, dass es bei UX Design darum geht, sich auf den Nutzer zu konzentrieren, doch die Anwendung dieses Prinzips in der Praxis kann mehr als kompliziert sein.

Doch keine Angst. In diesem Artikel erklären wir dir die 7 wichtigsten Regeln des UX Designs und zeigen dir, wie du sie anwendest.

1. Konzentriere dich auf den Nutzer

„Konzentriere dich auf den Nutzer“ ist die wichtigste Regel im UX Design und untermauert alle anderen Regeln, die wir in diesem Artikel besprechen werden. Diese Regel ist der Kern des UX Designs, da sie dabei hilft, ein sehr verbreitetes Problem im Webdesign zu lösen: Während Designer immer vertrauter mit komplexen Webdesign-Frameworks werden, kann es passieren, dass sie Seiten designen, die eher andere Webdesigner beeindrucken sollen, statt echten Nutzern ein tolles Erlebnis zu bieten.

klares benutzer-orientiertes app-design
Klares, nutzerorientiertes App-Design von Daga

Gutes Design war schon immer die elegante Kombination aus Form und Funktion und durch die Einbeziehung von User Experience in dein Webdesign in der frühestmöglichen Phase, wirst du am Ende eine wirklich nutzerorientierte Seite haben. Die Anwendung dieser Regel erfordert sorgfältiges Nachdenken darüber, wie deine Nutzer mit deiner Seite interagieren und für welche Aufgaben sie diese nutzen werden. Diese Erwägungen solltest du während des gesamten Designprozesses im Hinterkopf behalten.

Der praktischste Weg, um diese Regel anzuwenden, wird von der Art (und Größe) des Unternehmens abhängen, für das du arbeitest. Wenn du den Luxus genießt, über ein eigenes UX Research Team zu verfügen, wirst du eng mit deinen UX Researchern zusammenarbeiten. Für kleinere Unternehmen wirst du deinen eigenen Mechanismus entwickeln müssen, um Feedback von den Nutzer zu bekommen (mehr dazu weiter unten). Egal allerdings welchen Ansatz du wählst, nutzerorientiertes Design bedeutet, dass es einen kontinuierlichen Prozess von Design und Feedback geben sollte und sich beide Prozesse gegenseitig beeinflussen.

2. Einheitlichkeit

Eine konkretere Regel des UX Designs, die extrem wichtig bei der Entwicklung einer erfolgreichen Website ist, ist Einheitlichkeit. Allgemein gesagt bedeutet Einheitlichkeit, dass Designs und Funktionalität auf allen Seiten und bei allen Produkten gleich sind. Man muss auch wissen, dass viele der beliebtesten und erfolgreichsten Apps und Webseiten ähnliche Templates für User Interfaces verwenden, sei es für die Platzierung der Buttons oder die Art und Weise, wie die Menüs „verlaufen“.

Konsistentes Branding und Design über mehrere Plattformen hinweg in einem Website-Design
Einheitliches Branding und Design auf mehreren Plattformen in einem Webdesign von FusionTrek.

Aus diesem Grund werden Nutzer bereits mit einer bestimmten Vorstellung darüber, wie etwas „funktionieren sollte“ deine Seite besuchen und es ist wichtig, diese zu respektieren. Zwar solltest du nicht die Apps und Webseiten deiner Mitbewerber nachbauen, doch eine Benutzeroberfläche, die marktführenden Webseiten ähnelt, kann deinen Nutzern helfen, sich leichter auf deinen Seiten zurechtzufinden. Denn je vertrauter eine Seite aussieht, umso leichter wird sie zu benutzen sein und umso nahtloser wird das Erlebnis deines Nutzers sein. Studien zeigen, dass Nutzer positiv auf Seiten reagieren, die ihnen vertraut vorkommen.

Diese Regel sollte mithilfe von drei Techniken umgesetzt werden: Zuerst solltest du darüber nachdenken, auf welchen Wegen deine Nutzer mit deiner Seite interagieren, und überall dasselbe Design verwenden. Das bedeutet, dein Webdesign auch in deinen Apps und deinen Onlineshop zu integrieren. Gute Webhoster bieten dir Systeme, die dir diese Art der Integration ermöglichen.

Zweitens solltest du der Versuchung widerstehen, neue, verrückte Ideen auszuprobieren. Auch wenn Innovation für Webdesign wichtig ist, sollte diese niemals der Benutzerfreundlichkeit im Wege stehen. Und drittens kannst du darüber nachdenken, eine „Designsprache“ zu übernehmen, um deine Designs einheitlich zu halten: Gute Beispiele für Designsprachen sind Apples Human Interface Guidelines und Googles Material Design Guidelines.

3. Hierarchie

Hierarchie ist eine weitere wichtige Regel des UX Designs, die oft vergessen wird. Im einfachsten Fall bedeutet ein hierarchischer Designansatz, sich alle Funktionen und Informationen zu überlegen, die deine Website enthalten wird, und diese dann in einer baumartigen Struktur anzuordnen, bei der jeder Teil deiner Website auf „natürliche“ Weise von einem in den anderen übergeht. Wenn dies richtig angewandt wird, werden die Seiten deiner Website so natürlich ineinander übergehen, dass deine Hierarchie alles andere als unsichtbar sein wird.

klar strukturiertes webdesign
Webdesign mit klarer Struktur von Creative_David

Diesen Ansatz in der frühesten Designphase zu übernehmen, bietet dir viele Vorteile. Einer ist, dass es deinen Nutzern ermöglicht, leichter auf deiner Seite zu navigieren und das zu finden, wonach sie suchen. Es ist auch wichtig, weil es dir als Designer ermöglicht, genau zu sehen, wie deine Seite funktioniert.

Dies kann dir deine Aufgabe als Designer extrem erleichtern, da du nicht in Versuchung gerätst, deiner Seite permanent neue Plugins und Themes hinzuzufügen, um etwas zu erreichen, was durch einen logischen Designansatz viel leichter erreicht werden kann. Wie Dieter Rams in seinen „Zehn Thesen für gutes Design“ sagt: „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.“

Die Umsetzung von Hierarchie im Webdesign sollte mit der Entwicklung einer Informationshierarchie beginnen. Dies kann dann genutzt werden, um eine Sitemap zu erstellen. Diese Sitemap sollte alles enthalten, was du auf deiner Website unterbringen möchtest, und sich für ein simples und elegantes Menü eignen. Von dieser Sitemap ausgehend kannst du dann eine Designhierarchie entwickeln, die deine Seite auf einheitliche, logische Weise miteinander verknüpft.

4. Der Kontext zählt

Eine der wichtigsten Erkenntnisse im UX Design lautet, dass Kontext eine extrem wichtige Rolle dabei spielt, wie Nutzer mit deinen Designs interagieren. Kontext bedeutet in diesem Zusammenhang darauf zu achten, welche Geräte benutzt werden, um deine Website zu besuchen, und besonders Augenmerk darauf zu legen, dass mobiles Surfen mittlerweile den Großteil des Traffics ausmacht.

Anpassungsfähiges, kontextorientiertes Webdesign
Anpassungsfähiges, kontextorientiertes Webdesign von JPSDesign

Kontextbezogenes Designen bedeutet auch, noch viele weitere Faktoren zu beachten. Dein Design mag gut funktionieren, wenn du in einem kühlen, ruhigen Büro sitzt, aber es könnte sein, dass deine Nutzer deine Seite in einem völlig anderen Kontext verwenden: in ihrem Büro, aber auch während ihrer Mittagspause oder in einem lauten Club.

In der Praxis gibt es zwei Wege zu einem kontextbezogenen Ansatz. Einmal durch die Nutzerbefragungen, die wir oben erwähnt haben, die einen wichtigen Bestandteil moderner UX Design-Strategien ausmachen. Der zweite Weg ist einfacher, aber vielleicht effektiver: Versetze dich selbst in die Lage deiner Nutzer, indem du deine Webseiten im selben Kontext nutzt wie sie. Wenn du deine Seite in einem schmuddeligen Club nicht lesen kannst, ist es vielleicht Zeit für ein Redesign.

In letzter Zeit ist daraus das Konzept des „emotionalen Designs“ entstanden. Dieser Ansatz kann zusammen mit anderen UX Design-Regeln genutzt werden und lenkt die Aufmerksamkeit auf den emotionalen Content deiner Designs. Die zentrale Erkenntnis des „emotionalen Designs“ lautet, dass Nutzer von Webseiten (und Apps etc), eine unterschiedliche emotionale „Färbung“ erwarten, je nachdem, wann, wie und wo sie sie nutzen. Diese Erwartungen zu beachten, kann dazu beitragen, dass deine Designs bei Nutzern wesentlich besser ankommen.

5. Überlasse den Nutzern die Kontrolle

Den Nutzern die Kontrolle zu überlassen ist ein weiterer wichtiger Teil des UX Designs. Vor zehn Jahren weigerte man sich noch, Nutzern allzu viel Kontrolle über Webseiten und Programme zu geben, weil man Angst hatte, sie würden sie kaputtmachen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus zwei Jahrzehnten UX Design-Forschung lautet allerdings, dass es zu einem besseren Nutzererlebnis führt, wenn Nutzer mehr Kontrolle haben.

screenshot: Backend-Design für eine Kryptowährungsplattform
Zusätzliche Kontrolle muss nicht hässlich sein: Back-End Design für eine Kryptowährungsplattform von ludibes

Das soll nicht heißen, dass du den Nutzern totale Kontrolle über deine Webseiten geben sollst. Zu viele Informationen können unerfahrene Nutzer überfordern und deine Website sollte leicht zu benutzen sein, egal wie viele fortschrittliche Funktionen du bietest. Nichtsdestotrotz musst du die Tatsache anerkennen, dass deine Seite sowohl für versierte Nutzer als auch durchschnittliche Nutzer funktionieren muss, abhängig von der Art der Seite, die du designst. Du kannst diese erweiterten Optionen an verschiedenen Stellen deiner Seite verstecken, aber sie sollten immer für diejenigen vorhanden sein, die sie nutzen wollen.

Eine kleine Warnung allerdings: Auch wenn es zu einem besseren Nutzererlebnis führt, den Nutzern Kontrolle zu geben, solltest du immer einen „Notausgang“ von diesen erweiterten Optionen bieten. Mit anderen Worten, man muss hier auf ein gutes Gleichgewicht achten. Du solltest immer ein Bestätigungsfeld einfügen, damit Nutzer nicht aus Versehen etwas kaputtmachen und auch einen „Reset“-Button in Erwägung ziehen, damit sie die ursprünglichen Einstellungen deiner Seite wiederherstellen können.

6. Barrierefreiheit

Barrierefreiheit bedeutet, deine Designs so zu gestalten, dass sie jeder problemlose nutzen kann, einschließlich Menschen mit Behinderungen. Barrierefreiheit in die Mitte deines Designprozesses zu rücken, ist aus mindestens zwei Gründen wichtig: Erstens wird es deinen Nutzern ein tolles Erlebnis ermöglichen und zweitens gibt es viele Vorschriften, die dies fordern.

Quoteble website design
Barrierefreie Designregeln können deine Designs radikal vereinfachen, wie bei dieser Website von DSKY.

Es mag nach einer schwierigen Aufgabe klingen, all deine Designs barrierefrei zu gestalten, aber es gibt jede Menge Quellen, die dabei behilflich sind, einschließlich unserer hier und den w3 Guidelines hier.

Diese Quellen werden dir auch helfen, barrierefreies E-Mail-Marketing zu entwerfen, und dir zeigen, wie man Social-Media-Kampagnen designt, die bei diversen Zielgruppen gut ankommen. Des Weiteren können dir dieser Artikel von w3c zur Barrierefreiheit im Netz und ihre Guidelines zu Barrierefreiheit auf Mobilgeräten helfen.

Es mag so aussehen, als dass die Konzentration auf die Erstellung von Webseiten, die für alle zugänglich sind, viele Ressourcen in Anspruch nimmt, die besser für die Verbesserung des grundlegenden Designs deiner Webseiten verwendet werden könnten. In Wirklichkeit sind diese beiden Prozesse jedoch eng miteinander verbunden. Wenn du dich beispielsweise darauf konzentrierst, Menschen mit Sehbehinderungen ein großartiges Erlebnis zu bieten, kannst du das visuelle Design deiner Seiten möglicherweise radikal vereinfachen. Denn wie wir oben gesehen haben, ist ein einfaches Design ein besseres Design, und einfache Designs verbessern auch die Erfahrung für den „durchschnittlichen“ Nutzer.

7. Usability-Tests

Die letzte Regel des UX Designs hängt eng mit der ersten Regel zusammen. Eine nutzerorientierte Designstrategie zu implementieren bedeutet, gleich zu Beginn des Designprozesses deine Nutzer zu befragen, aber deine Interaktion mit ihnen sollte noch viel weiter gehen. Um sicherzustellen, dass deine Webseiten für deine Nutzer funktionieren, benötigst du ein kontinuierliches und exaktes System von Usability-Tests.

SQL Tribe webdesign
Usability-Tests bedeuten, die Seiten, die deine Nutzer wollen, in den Mittelpunkt zu rücken, so wie in diesem Design von spoonlancer.

Die Grundidee dahinter ist folgende: Der Designprozess endet nicht mit der Veröffentlichung deiner Website.

Stattdessen ist Design ein sich wiederholender Prozess, bei dem du immer wieder versuchst zu verstehen, wie Nutzer deine Webseiten nutzen, und deine Seiten mithilfe dieser Informationen verbesserst. Dies ist besonders wichtig für wachsende Unternehmen, deren Webseiten schnell unbrauchbar werden können, wenn sie neue Funktionen hinzufügen, und deren Designs schnell unter langsamen Webseiten leiden können, da sie mit neuen Dingen überladen sind.

Um diese Regel anzuwenden, musst du Usability-Tests entwickeln und es gibt jede Menge Quellen, die dir dabei helfen können. Dazu gehört unser eigener Guide hier und diese Liste mit Tools.

Auch du kannst tolles UX Design

Nachdem du dir die Regeln des UX Designs oben durchgelesen hast, wirst du bemerken, dass die meisten auf der ersten Regel aufbauen: sich auf den Nutzer zu konzentrieren.

UX design beispiel
Die Regeln des UX Designs haben Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit zum Ziel, wie in diesem Design von Typelab D.

Das ist kein Zufall. Das Wertvollste am UX Design ist, dass es eine fundamentale Wahrheit über Webdesign anerkennt: Du designst deine Website nicht für dich, sondern für deine Nutzer. Was für dich offensichtlich sein mag, muss nicht offensichtlich für deine Nutzer sein, und viele Webdesigner werden sehen, dass ihre Nutzer auf unerwartete Weise mit ihren Designs interagieren.

Wenn UX Design auf eine einzige Idee heruntergebrochen werden kann, dann diese: Die Entwicklung einer Website sollte als iteratives Webdesign angegangen werden, bei dem das Feedback der Nutzer permanent die Entwicklung deiner Seite beeinflusst. Aus diesem Grund sollten Webdesigner so viel wie möglich mit ihren Nutzern interagieren und nie vergessen, dass die schönsten Designs der Welt wertlos sind, wenn deine Kunden sie nicht nutzen können.

Erhalte ein Webdesign, das zu dir passt.
Unsere talentierten Designer helfen dir dabei.