Die Designerin Anastasia S. aus Kiew begann ihre Karriere mit 15 und wurde schon in jungem Alter zu einer etablierten und erfolgreichen Designerin auf 99designs. Ihre Leidenschaft und Hingabe waren die treibende Kraft hinter ihrem Erfolg und die Arbeit mit vielen verschiedenen Marken auf 99designs half ihr dabei, ihre kreative Stimme zu finden.

Ihr einzigartiger Stil passt perfekt zu kleinen Unternehmen, die ihre Persönlichkeit weiterentwickeln wollen. Sie kreiert handgezeichnete Illustrationen, die unbeschwert, charmant und auf grazile Weise komplex sind. Während keine ihrer Arbeiten der anderen gleicht, strotzen sie alle nur so vor Persönlichkeit. Sie nutzt Handlettering, Erdfarben, Pastelltöne und zarte Pinselstriche, um ihren Werken eine unverwechselbare Note zu verleihen.

Wir haben mit Anastasia darüber gesprochen, wie ihre Arbeitsabläufe aussehen, was sie inspiriert und wie sie sich zu einer selbstbewussten Designerin entwickelt hat.

Designerin Anastasia S. foto
Grafikdesignerin und Illustratorin Anastasia S.
Erzähle uns ein wenig, wie du deine Karriere begonnen hast!

In der Ukraine kannst du nach der 9. Klasse auf die Uni gehen, also habe ich aus einer Laune heraus mit 15 angefangen, Design zu studieren. Ich habe mich für Grafikdesign entschieden, weil ich mich mit Photoshop auskannte.

In meinem zweiten Jahr auf der Uni habe ich mich auf 99designs angemeldet. Ich zeichnete während der Vorlesungen Skizzen für Wettbewerbe und wandte in Echtzeit das an, was ich gerade lernte. Meine Lehrkräfte sagten zum Beispiel, dass wir für jede Idee Einhundert Skizzen anfertigen sollten, also zeichnete ich Einhundert Skizzen für einen Wettbewerb. Dadurch bekam ich unglaublich viel wertvolle Übung.

Aber weil ich so viel Arbeit in jeden Wettbewerb steckte, fühlte es sich katastrophal an, wenn ich nicht gewann. Ich war unglaublich traurig. Doch dann suchte ich mir einfach einen neuen Wettbewerb. Es war so cool, die Möglichkeit zu haben, etwas zu kreieren und meine Arbeit zu testen. Das half mir wirklich, mein künstlerisches Ich zu entwickeln.

Wally's vegan ice cream logo
vintage insoirierte eisverpackung
Branding und Verpackung für Wally’s Vegan Ice Cream
Nach ungefähr zwei Jahren auf 99designs verstand ich endlich meine eigene Stimme und meinen Designprozess. Was ich kreiere und wie ich es kreiere, fühlt sich nun sehr nach mir an.
Du bist also mit 17 Jahren 99designs beigetreten?

Das ist richtig. Ich bin jetzt 22 und habe bereits eine Menge Erfahrung. Als ich anfing, wollte ich eifrig das befolgen, was ich gelernt hatte. Aber ich merkte schnell, dass das alles ein bisschen altmodisch war und nicht das Richtige für mich. Nach ungefähr zwei Jahren auf 99designs verstand ich endlich meine eigene Stimme und meinen Designprozess. Was ich kreiere und wie ich es kreiere, fühlt sich nun sehr nach mir an.

 Wann wusstet du, dass Designen der richtige Weg für dich ist?

In meinem letzten Jahr auf der Uni hatte ich noch drei Wochen, um mein Abschlussprojekt abzugeben, und ich hatte noch nicht einmal ein Thema. Daher nahm ich einfach ein Projekt an, das mir von der Uni zugewiesen wurde – ich musste vier oder fünf Poster designen, um Werbung für die Uni zu machen. Ich dachte, das würde unglaublich langweilig werden, aber es lief so gut! Ich musste es nicht einmal „verteidigen“. Ich präsentierte meine Arbeit ungefähr zwei Minuten lang und das war’s. Alle mochten sie.

Diplombuch muster
Eine Seite aus Anastasias Abschlussprojekt

Ich war erstaunt darüber, dass das mein Werk war. Ich konnte etwas scheinbar Uninteressantes und Langweiliges nehmen und etwas super Cooles daraus machen. Und das liebe ich am Designen.

Erzähle uns ein wenig von deinem aktuellen Designprozess!

Wenn ich ein Projekt bekomme, lese ich es mir durch und lasse es erst mal ruhen. Ich arbeite dann in der Zeit an anderen Jobs. Wenn ich dann genügend Zeit hatte, alles ein wenig auf mich wirken zu lassen, fange ich mit der Arbeit an. Jede Marke ist einzigartig und es ist wichtig, sich die Zeit zu nehmen, sich auf jedes Projekt einzustellen.

Ich verbringe viel Zeit damit, mit dem Kunden am Design-Briefing zu arbeiten. Wenn der Kunde allgemeine Wünsche wie „Ich brauche eine Schriftart“ oder „Ich benötige ein Farbschema“ hat, sage ich ihm, dass wir herausfinden müssen, was am besten zur Marke passt.

Jede Marke ist einzigartig und es ist wichtig, sich die Zeit zu nehmen, sich auf jedes Projekt einzustellen. 
kombucha flaschenetiketten-design von Anastasia S
FIRST8 Kombucha von Anastasia S
Kombucha Marketingmaterialien und Verpackung für FIRST8 Kombucha

Versuche, dich nicht von deinen eigenen Ideen einschüchtern zu lassen. Ich habe immer gedacht, meine Ideen wären nicht gut genug. Dann merkte ich, wenn ich es nicht probiere, werde ich auch nicht wissen, was daraus wird.

Deshalb habe ich Fragebögen für verschiedene Projekte entwickelt, um ein Gespür für die Vision des Kunden zu bekommen. Ich nehme mir die Zeit, die Geschichte des Unternehmens kennenzulernen, wer seine Mitbewerber sind und welche Zielgruppe es hat.

Ich frage auch nach Marken, die ihnen optisch gefallen und warum. Die zwei wichtigsten Dinge, die ich herausfinden möchte, sind „Was möchte der Kunde?“ und „Was wird für ihn funktionieren?“. Ich versuche ein Gefühl dafür zu bekommen, was er möchte, aber auch, was ich seiner Meinung nach vermeiden sollte.

Danach fertige ein oder zwei grobe Skizzen an. Und dann arbeite ich an ihnen. Ich ziehe es vor, eine oder zwei Skizzen auszuarbeiten, statt mir 100 zu überlegen, wie ich es am Anfang getan habe.

Was inspiriert deine Arbeit?

Ich glaube, die Ideen entspringen aus allem, was man jeden Tag so um sich herum sieht. In Kiew haben wir ein wunderschönes Stadtzentrum. Die Architektur ist wirklich cool. Daher liebe ich es, unter der Woche in der Stadt herumzulaufen.

Brand identity von Anastasia S
Logo und Markenidentität für die 3D-Künstlerin Kasita

Ich liebe es, mir Profile auf Pinterest und Instagram anzusehen. Je mehr du siehst, umso mehr Ideen bekommst du. Ich gehe auch gern in Museen. Es gibt hier jede Menge moderne Kunstmuseen und Galerien und die Ausstellungen ändern sich häufig. Meine Favoriten reichen von Monet bis hin zu Avantgarde-Postern der sowjetischen Moderne.

Wir haben beispielsweise jede Menge traditionelle ukrainische Kunst wie Petrykiwka. Diese Malereien sind unglaublich detailliert und farbenfroh. Ich würde liebend gern einen Hauch dieses Einflusses in meine Arbeit einbringen. Als ich 14 war, habe ich diesen Stil mit meinen Mama gemalt. Er wird mit speziellen Pinseln aus Katzenhaar angefertigt.

Apropos Designtools, welche verwendest du beim Designen?

Ich arbeite meistens auf dem iPad. Ich nutze Procreate, Illustrator, Photoshop, InDesign (wenn ich es brauche), Adobe After Effects für die Animationen und Sketch oder Figma für Webdesign.

Fensterwandillustrationen von Anastasia S
Fensterwandillustrationen von Anastasia S
Fensterwandillustrationen von Anastasia S
Fenstermalerei für The Broom and Pebble, eine Bar, in der weniger bekannte Sportarten gezeigt werden.
Wenn du am Anfang deiner Designkarriere stehst, musst du lernen, den Wert deiner Arbeit zu schätzen. Du isst, schläfst, brauchst Erholung und bezahlst deine Rechnungen wie alle anderen Menschen auch. 

Als ich 17 war, hatte ich noch kein iPad. Wenn ich an Wettbewerben für Vintage-Logos oder handgezeichnete Logos teilnahm, zeichnete ich auf Papier, scannte es ein, bearbeitet es in Photoshop und vektorisierte es. Ich hatte das Gefühl, die Einzige zu sein, die das tat. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Arbeit sehr viel leichter geworden ist.

Vieles in deiner Karriere hat sich verändert, seit du vor fünf Jahren 99designs beigetreten bist. Was hält dich auf der Plattform?

Ich liebe 99designs, weil es allen Designschaffenden unabhängig von ihrem Können die Möglichkeit bietet, durch echte Arbeit besser zu werden – selbst einer 17-Jährigen, die noch am Anfang ihrer Karriere steht. Du lernst, wie man als Designerin „abreitet“, indem du mit Kunden sprichst und viel an Projekten arbeitest.

Durch 99designs habe ich unzählige Menschen und Projekte kennengelernt. Ich habe mit Menschen aus London, Deutschland, den USA, Kanada gearbeitet… Jetzt bin ich an einem Punkt in meiner Karriere, an dem ich nur an Wettbewerben teilnehme, wenn ich etwas freie Zeit habe. Ich arbeite meistens direkt mit den Kunden zusammen.

Becherdesign von Anastasia S
Marken- und Kaffeebecher-Design für Athanasiou Bakery

Ich liebe 1-zu-1-Projekte auf 99designs. Sie sind krisenfest und ich muss mir keine Sorgen über die Vereinbarung machen, ob ich bezahlt werde, und andere administrative Dinge. Ich weiß, dass ich Hilfe bekomme, wenn ich ein Problem mit dem Kunden habe. Es ist schön, jemanden zu haben, der sich um diese Dinge kümmert.

Wie sorgst du dafür, dass deine Designs frisch bleiben?

Ich versuche immer, Neues zu lernen. Als 2020 der Lockdown begann, nutzte ich diese Zeit, um mehr über Animation und After Effects zu lernen. Ich finde, es ist besser, sich mit verschiedenen Designdisziplinen auszukennen und diese zu beherrschen. Mit einem vielseitigen Portfolio entscheiden sich kleine Unternehmen und andere Kunden eher für mich.

Linolschnittarbeiten aus Anastasias Studio
 Es ist besser, sich mit verschiedenen Designdisziplinen auszukennen und diese zu beherrschen. Mit einem vielseitigen Portfolio entscheiden sich kleine Unternehmen und andere Kunden eher für mich. 
Welche Tipps hast du für neue Designer und Designerinnen?

Wenn du am Anfang deiner Designkarriere stehst, musst du lernen, den Wert deiner Arbeit zu schätzen. Zu Beginn fühlt es sich unmöglich an, deine Arbeit und Zeit als wertvoll zu betrachten. Du hast das Gefühl, immerzu arbeiten zu müssen, auch am Wochenende oder mit Kunden, die dich nicht zu schätzen wissen.

Manche Kunden realisieren nicht, dass du ein echter, lebendiger Mensch bist. Du isst, schläfst, brauchst Erholung und bezahlst deine Rechnungen wie alle anderen Menschen auch. Du musst den Wert deiner Arbeit und deiner Zeit von Anfang an zu schätzen wissen und nicht auf Bestätigung von außen warten.

Mushroom Jerky Verpackungsdesign von Anastasia S
Mushroom Jerky Verpackungsdesign von Anastasia S
Verpackungsdesign für Munchrooms, einem Pilz-Snack.

Versuche auch, dich nicht von deinen eigenen Ideen einschüchtern zu lassen. Ich habe immer gedacht, meine Ideen wären nicht gut genug. Dann habe ich gemerkt, wenn ich es nicht probiere, werde ich auch nicht wissen, was daraus wird. Wenn eine Idee oder ein Konzept nicht so wird, wie ich es mir vorgestellt habe, ist das nicht das Ende der Welt.

Da der Lockdown nun hinter uns liegt und du die Wochenenden für dich hast, was machst du in deiner Freizeit?

Ich schaue Netflix. Wenn ich in der richtigen Stimmung bin, male ich Ölgemälde und ich arbeite an meiner Kalligrafie. Das ist sehr meditativ. Ich mache ein paar Step-Aerobic-Kurse. Ich bin auch einfach sehr gerne draußen. Ein Nachteil daran, Designerin zu sein, ist, dass man sehr viel sitzt.

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