Wunderschöne Illustrationen, inspirierende Zitate und lustige Kritzeleien in den sozialen Netzwerken zu teilen, ist zu einer unserer eingefleischten Angewohnheiten im Netz geworden. Es ist ein neues Zeitalter des digitalen Teilens und wir lernen immer noch dazu. Es gibt bestimmte fundamentale Dinge, die es zu beachten gilt, bevor du die nächste Illustration teilst, bei der du das Gefühl hast, „Das bin so ich!“.

In vielen Fällen sind diese viralen Edelsteine kreative Arbeiten eines Künstlers – ein Illustrator oder Grafikdesigner, der sich entschlossen hat, uns zu segnen, indem er seine Arbeit online postet. Künstler teilen ihre eigenen Arbeiten, um ihr Unternehmen wachsen zu lassen, ihr Portfolio aufzubauen oder ihre Onlinepräsenz zu verstärken. Natürlich wollen sie Fans und Kunden anziehen, die vielleicht in ihrem Shop etwas kaufen, sie für ein Projekt engagieren oder anderen empfehlen.

Oft jedoch passiert es, dass der Instagram-Account des Urhebers im Verlauf des Repostens außen vor gelassen wird oder sein Bild einfach bei Twitter ohne Namensnennung hochgeladen wird, ohne eine Möglichkeit, zurückzuverfolgen, woher es kam. Dies kann Konsequenzen haben, die sich auf den Lebensunterhalt eines Designers auswirken können. Daher ist es wichtig für jeden von uns zu wissen, wie man kreative Arbeit online auf angemessene Weise teilt, ob wir nun etwas auf einem persönlichen Account oder dem einer Marke reposten wollen. Ich habe Künstler und Autor Adam J. Kurtz kontaktiert, um mehr darüber zu erfahren und diesen tiefergehenden Artikel dazu zu schreiben, wie man es richtig macht.

Darf ich vorstellen: Adam J. Kurtz, ein Künstler und Autor, dessen Arbeit nicht selten viral geht – ohne dass sein Name genannt wird

Adam hat vor Kurzem einen Vlog darüber veröffentlicht, wie seine Arbeit auf dem Social-Media-Kanal eines Unternehmens gepostet wurde, ohne seine Erlaubnis oder seinen Namen zu nennen. Adams erster Schritt bestand darin, Kontakt mit dem Unternehmen aufzunehmen und darum zu bitten, den Post zu löschen. Er bekam eine Entschuldigung und ihm wurde versprochen, dass es nicht wieder vorkommen würde. Allerdings kam es beim selben Unternehmen noch mal vor. Also entschied Adam, dass der nächste Schritt darin besteht, eine Zahlung für eine „rückwirkende Social-Media-Lizenz“ für die Nutzung seiner Arbeit zu verlangen. Er schickte dem Unternehmen eine Rechnung, die auch bezahlt wurde. Adams Vlog erklärt wunderbar, wie man kreative Arbeit online fair teilt, egal ob für den persönlichen oder beruflichen Gebrauch:

Als ich Adams Video zum ersten Mal sah, war ich erstaunt, wie gut er diesen neuen Aspekt des digitalen Teilens ansprach. „Ich denke nicht, dass viele von uns existieren könnten, ohne unserer Arbeit online zu teilen“, sagte mir Adam in einer Mail, als ich ihn dazu befragte, wie es ist, ein Kreativer zu sein, dessen Arbeit im digitalen Zeitalter oft geteilt wird. „Ob es sich um das Portfolio eines Kreativstudios handelt oder einzelne Kreative, die neue Arbeiten, Prozess oder tägliche Schmankerl teilen. So bauen wir unsere Marken auf, finden neue Fans und bekommen mehr Kunden. So funktioniert das Geschäft jetzt zum größten Teil. Es kann beängstigend genug sein, deine Arbeit mit einem Publikum zu teilen, wenn du besorgt bist, dass es ihnen vielleicht nicht gefällt“, erklärt Adam.

Adam lebt von seiner kreativen Arbeit – Er designt Produkte für Unternehmen wie Fish’s Eddy, Urban Outfitters oder Tattly. Zu seinen weiteren Kunden gehören Adobe, Instagram, die New York Times, Penguin Random House und Pepsi. Adams Produkte, seine Schriftstücke und Grafiken machen sich universelle Themen zu Nutze, die sehr gut ankommen (und super lustig sind). Es ist verständlich, dass viele Leute eine Verbindung zu dem haben, was er macht, und seine Arbeiten oft viral gehen.

 

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the bitch (ur undeniable responsibility for ur own actions) is back

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Auch wenn ein Künstler sich entscheiden kann, seine Arbeit online zu teilen, um mehr Follower zu bekommen und eine Onlinepräsenz aufzubauen – Adam hat beispielsweise beinahe 200.000 Follower bei Instagram – müssen wir uns mehr darüber bewusst sein, welches der beste Weg ist, um Designs zu teilen, wenn sie von jemand anderem kreiert wurden, sei es auf unserem persönlichen Account oder einem Unternehmens-Account.

Was sind die besten Praktiken, um kreative Arbeit online zu teilen?

 

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inspired by the response to my lil “f u pay me” vlog, here are some guidelines on how to repost my work. in general i’m rly chill and grateful about this but i’m not trying to directly help you sell your granola or meditation classes… when a company wants to use my art for business purposes they can hire me or license something. and of course use your best judgement! . if you’re coming to my instagram or anyone else’s and thinking it’s just a stock image service, you’re mistaken. if you’re enjoying something or feeling encouraged, that’s totally awesome (and the point) and i’m so glad. this post is really more geared towards stopping companies from posting for their own profit, under the guise of “friendly reposts” that undervalue creative work made by real human people. . and if you wanna hear me talk about this for 13 minutes head to YOUTUBE.COM/ADAMJK 🙃 i kinda just went in on how our creative work has value and how it’s up to all of us to educate others, especially if we work for a company with a social media team. 👌 the response has honestly got me inspired to talk more and put more videos up. . p.s. i’m not here to publicly shame anyone! that’s not usually the best way to get things done. but if you wanna repost these guidelines or privately share this post with an account you see doing this stuff often, that’d be cool. remember that kindness is often more powerful than anger, especially when trying to educate someone!

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Wenn du etwas lustig oder berührend findest, möchtest du es natürlich mit deinen Followern teilen – und es gibt soooo viele Sharing-Buttons, die dies super einfach machen. Aber dadurch kann auch leicht der Account des Urhebers untergehen. Wenn die Leute die Arbeit eines Künstlers in einem privaten Netzwerk teilen, hat das ohne Zweifel große Vorteile für die Künstler. Du solltest dennoch kurz sicherstellen, dass du die Quelle der Arbeit ordnungsgemäß nennst.

Adams Tipp: Wenn du etwas auf deinem persönlichen Account teilst, markiere den Ersteller sowohl im Bild als auch in der Bildunterschrift, verändere das Bild nicht und entferne nicht den Account oder das Wasserzeichen des Künstlers. 

Hier sind einige der besten Praktiken basierend auf Adams Vorschlägen, die wir jedem ans Herz legen wollen (ob für den privaten oder beruflichen Gebrauch), wenn man kreative Arbeit (ein Cartoon sein, eine Illustration, ein Zitat, Foto oder sonstige Bilder) teilt. Es sind äußerst hilfreiche Tipps, die generell auf alle kreative Arbeiten angewandt werden können:

  • Stelle sicher, dass der Name des Künstlers nicht unter einem langen Kommentar und einem Absatz von Hashtags begraben ist. Markiere den Künstler in den ersten Zeilen unter dem Post.
  • Zeige den Künstler: Wird die Arbeit geteilt, weil sie viral geht und du darauf eingehen willst oder um den Künstler zu zeigen? In Adams Fall ist es so, dass er nur damit einverstanden ist, dass Marken seine Arbeit teilen, wenn sie seine Arbeit an sich zeigen wollen.
  • Kommuniziere: Marken sollten Arbeiten nicht ohne Namensnennung teilen oder das Bild verändern. Eine Zusammenarbeit sollte nicht impliziert sein und der Post sollte für nichts werben, wenn es keine Partnerschaft gibt. Wenn du eine Zusammenarbeit mit einem Designer anhand seiner Arbeit wünschst, kontaktiere ihn!

Manche dieser Tipps sind gesunder Menschenverstand, aber es ist immer gut, sich daran zu erinnern, dass hinter diesen Designs lebende, atmende Menschen stecken, deren Lebensunterhalt davon abhängt, dass ihre Arbeit ordnungsgemäß benannt wird. Weshalb posten sie es online, wenn sich nicht wollen, dass wir es teilen, fragst du dich? Gute Frage! Der Punkt ist, Künstler sind ziemlich froh darüber, wenn du ihre Arbeit teilst – auf die richtige Weise und mit entsprechender Nennung. Und wenn du eine Marke bist, welche die kreative Arbeit von jemandem nutzt, um online mehr Follower zu bekommen, sollte es eine Vergütung für den involvierten Künstler geben.

 

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checklist for getting over common fears — read the book for the actual advice broken down! 😘 . i’m donating 100% of my pride month royalties for @thingsarewhatyoumakeofthem to the @teganandsarafoundation to help them support economic justice, health, and representation for LGBTQ girls and women. . you might remember we raised $7,500 for this great organization with the book preorder campaign last year, but I’m hoping this is a continued opportunity to use my art for good in the same way that @teganandsara continue to use theirs, leading by example for so many of us. . i earn $1.05 per book sold (in bookstores, on amazon, at my 6/13 @strandbookstore event, etc) so we’ll see how much it ends up being! if you haven’t got a copy yet this might be a perfect excuse to help yourself and others. . more details at thingsarewhatyoumakeofthem.com/pride. #thingsare #pride

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Ich will dich nicht davon abhalten, die Arbeiten deiner Lieblingskünstler zu teilen. Du solltest eben nur darauf achten, wie du sie teilst. Kreative Menschen haben es satt, dass man ihnen sagt, es wäre großartig für sie, wenn ihre Arbeit wahrgenommen wird. Wenn es für den persönlichen Gebrauch ist, kann eine Namensnennung viel dazu beitragen, neue Fans (und mögliche Käufer) zu bekommen. Wenn du eine Marke bist, trägst du eine Verantwortung, den Künstler dafür zu bezahlen, dass du seine kreative Arbeit verwendest, solange du nicht einfach nur seine Arbeit präsentieren möchtest. Rechnungen kann man nicht mit Wahrnehmung bezahlen.

Tipps für Kreative: Was du tun kannst, wenn deine Arbeit ohne Namensnennung geteilt wird

Adam erwähnte mir gegenüber auch, dass das Risiko für Künstler heutzutage nicht nur darin besteht, dass die Arbeit gut aufgenommen wird, sondern dass sie ein Eigenleben entwickelt ohne zurück auf den Künstler zu verweisen und in der digitale Sphäre zu verschwinden.

„Jetzt muss man sich Sorgen machen, dass es ihnen gefällt und sie sich aus diversen Gründen selbst bedienen,“ erklärt Adam. „Mein Standpunkt ist für beide Fälle so ziemlich der gleiche: Mache deine Arbeit und teile sie. Wenn die Leute es nicht mögen, scrollen sie weiter. Wenn ein schwarzes Schaf es repostet oder deine Arbeit auf andere Weise unfair nutzt, kannst du dich immer noch darum kümmern.“

Designern, die zögern, ihre Arbeit online zu teilen, möchte Adam sagen, dass die positiven Ergebnisse die möglichen Risiken überwiegen. „Wenn du sie nicht teilst, kann sie niemand sehen“, sagt er. „Das ist schlimmer als jede negative Auswirkung. Wir sollten uns keine Sorgen über Dinge machen, die wir nicht kontrollieren können, also versuche von diesen Bedenken abzulassen, bis sie nicht mehr von Bedeutung sind. Das ist grundsätzlich ein guter Tipp fürs Leben.“

Wenn du ein Designer bist und merkst, dass jemand deine Arbeit ohne deine Erlaubnis oder Namensnennung geteilt hat, sind hier ein paar Tipps für Kreative, die Adam mit mir geteilt hat.

  • Bitte Accounts darum, ihre Bildunterschrift zu aktualisieren: Adam sagt: „Es ist ärgerlich, wenn es schon eine Weile online ist und man somit nicht den gleichen Vorteil davon hat, dass seine Arbeit gesehen wird und man mehr Follower bekommt. Aber ich habe jetzt einen „Text ersetzen“-Shortcut auf meiner Handytastatur. Ohne große Umstände kann ich jetzt einen Kommentar kopieren, der in etwa lautet „Hi, danke, dass ihr meine Arbeit teilt, aber bitte nennt meinen Namen in der Bildunterschrift, damit eure Follower meine Kunst und Bücher finden können.“ Es ist nicht aggressiv geschrieben und die Leute haben sehr positiv darauf reagiert.
  • Schicke zuerst eine private Mail oder Direktnachricht: „Es gibt viele Leute, die Tweets an große Marken schicken und keine Retweets, keine Kommentare und keine Antworten bekommen. Daher gehe ich so vor, zunächst direkt und diskret zu sein. Ich schicke der Marke eine Direktnachricht, eine E-Mail oder irgendetwas in der Art. Das verhindert, dass die Leute in der Defensive sind. Und obwohl ich nicht die Zeit habe, jeden zu belehren, kann es später einen Unterschied machen.“

Adam erzählte uns auch, wie eine angemessene Namensnennung viel für einen Künstler tun kann, wenn seine Arbeit mit einem großen Publikum geteilt wird:

  • Wenn die Nutzung vielleicht okay, aber wahrscheinlich nicht legal ist: Adam sagt: „Es gab einen oder zwei beliebte Instagram-Accounts […], die meine Arbeit mit einem Millionenpublikum angemessen geteilt haben, mit deutlicher Namensnennung. Das ist die Art von Repost, die uns gefällt, wo ein großes Publikum unsere Arbeit sieht und man als Ergebnis vielleicht mehr als 100 neue Follower bekommt. Das Reposten von Inhalten scheint zunächst fragwürdig, aber im Falle solch großer Meme-Accounts kannst du deine „Bezahlung“ in Form von angemessener Namensnennung bekommen.“

Wenn du eine kreative Person bist, solltest du am Ende des Tages entscheiden, wie diese Kunst genutzt wird.

  • Vergiss nicht, es ist deine Arbeit – entscheide selbst, wie deine Arbeit geteilt werden soll: Adam sagt: „Wenn es sich um ein Unternehmen handelt, hast du das Sagen. Du willst vielleicht nicht, dass ein bestimmtes Unternehmen deine Kunst nutzt, um sein Zeug zu bewerben. Du kannst sie bitten, es zu löschen, und wenn sie dich wirklich weiterhin ignorieren, kannst du beim Instagram-Support das Urheberrecht beanspruchen. Deine Arbeit hat einen Wert und wenn eine Marke nicht gefragt oder dich bezahlt hat, kannst du entscheiden, wie du antwortest. Es ist deine Arbeit.“

Wie teile ich also das nächste Mal meine Lieblingsinhalte?

In einer perfekten Welt würde jeder innehalten und denken „Woher kommt das?“, bevor er den nächsten Mops-Cartoon oder die süße Illustration teilt, die gerade viral geht. Wenn du auf deinem privaten Account postest, ache darauf, den ursprünglichen Künstler mit einer sichtbaren Markierung zu nennen. Wenn der Künstler seinen Namen am Ende seines Kunstwerks hinzugefügt hat, schneide ihn nicht heraus, wenn du die Größe des Bildes veränderst (die Arbeit sollte prinzipiell überhaupt nicht bearbeitet werden).

Was tun, wenn du nicht sicher bist, woher eine Illustration kommt? Versuche, es von dort zurückzuverfolgen, wo du es gefunden hast, oder nutze die umgekehrte Bildersuche auf Google.

Wenn du für eine Marke arbeitest und eine Arbeit teilen willst, um sie zu präsentieren, bitte zumindest erst um Erlaubnis, mit einer Erklärung, weshalb du diesen Post erstellen willst, und stelle sicher, am Anfang der Beschreibung einen Link zu ihrem Account hinzuzufügen. Wenn der Post verwendet wird, um Werbung für ein Unternehmen zu machen oder den Wiedererkennungswert der Marke zu steigern, kontaktiere den Künstler zuerst, um über eine Vergütung zu sprechen, oder gib selbst etwas in Auftrag, das nur für dich ist!

Und schließlich, wenn du merkst, dass jemand eine Arbeit teilt, ohne den Künstler zu nennen, mache sie höflich darauf aufmerksam und bitte sie, es mit einer Korrektur neu zu posten. Der Künstler wird dich dafür lieben.

Willst du etwas, das nur für dich kreiert wurde?
Arbeite mit einem Designer, um es zu bekommen.