Das Internet scheint für Online Learning wie geschaffen. Wo sollte man sich auch besser bilden können als in einem globalen Informationsnetzwerk? Doch es ist genau genommen noch gar nicht lange her, dass Webseiten damit angefangen haben, Bildungsinhalte bereitzustellen und traditionellen Unis Konkurrenz zu machen. Du kannst Sprachen auf deinem Smartphone lernen, aufgezeichnete Vorlesungen ganzer Ivy-League-Kurse kostenlos schauen und dir sogar Schreibtipps von Margaret Atwood holen. Niemals zuvor war der Zugang zu Bildung so einfach wie heute. Manche sagen, das klingt zu gut, um wahr zu sein. Und das stimmt vielleicht auch.

illustration Online Learning vs. traditionelles Lernen an Unis
Illustration von OrangeCrush

Kritiker des Online Learnings nennen es eine gamifizierte Ablenkung, die selten tiefer auf das Thema eingeht. Sie sagen, Online Learning bereitet Studenten nicht adäquat auf das Arbeitsleben vor und sorge für falsches Selbstvertrauen. Unterstützer des Online Learnings kontern diesen Kritikern, indem sie uns daran erinnern, dass traditionelle Universitäten deutlich mehr Flexibilität erfordern und kostspieliger sind.

Welche Antwort stimmt nun also? Ob du online lernst oder in einem klassischen Vorlesungssaal hängt von deinen speziellen Bedürfnissen ab. Die folgenden Fragen werden dir helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Wie viel bist du bereit, für deine Bildung zu bezahlen?

Ein illustriertes Sportstil-Logo, das eine Trophäe voller Geld zeigt
Von Dexterous“

Einen hohen Preis

Geld spielt für dich keine Rolle. Du kannst überall studieren und du passt definitiv zu einer privaten Elite-Uni, die ordentlich Geld kostet.

Einen anständigen Preis

Du hast Geld zur Verfügung, allerdings begrenzt. Nimm Unterricht an einer VHS oder schau dir ein Fernstudium an. Wirf auch einen Blick auf einmalige Workshops und Konferenzen, die du in Apps wie Eventbrite findest. Diese kosten in der Regel ein paar Hundert Euro. Abhängig von deinen Zielen und deinem Studienfach solltest du auch Berufsschulen in Erwägung ziehen.

Einen geringen Preis

Geld ist das Thema in deinem Leben. Es könnte sogar der Grund dafür sein, weshalb du dich weiterbilden möchtest und wahrscheinlich möchtest du im Zuge dessen nicht pleitegehen. Für traditionelle Unis gibt es staatliche Hilfsprogramme, aber dies sind in der Regel Kredite. Online Learning ist hier die weitaus bessere Lösung. Manche Plattformen verlangen eine Gebühr pro Kurs und andere bieten ein Abo-Modell mit kostenlosem Probezeitraum. So oder so kannst du die Onlinevariante probieren, ohne großes finanzielles Risiko einzugehen.

Achte auf die Länge, den Umfang der verfügbaren Kurse und die Tiefe des Materials. Die Tatsache, dass Onlinekurse in der Regel die günstigste Option sind, bedeutet nicht, dass sie qualitativ schlechter sind, aber das Internet kann ein Wilder Westen sein, wenn du nicht richtig recherchierst. Und einer der Vorteile des Online Learnings besteht darin, dass du nicht immer dieselben Professoren hast, sobald du dich eingeschrieben hast.

Welche Vorkenntnisse hast du?

Figurenillustrationsdesign einer Schülerin mit einem Buch
Von Jordi Planellas

Anfänger

Du hast so gut wie keine Ahnung vom Thema. Entscheide dich für Onlinekurse. Traditionelle Unis werden dir zu Beginn sowieso die Grundlagen beibringen und du findest dieselben Infos günstig und ohne Probleme selbst.

Noch wichtiger allerdings, als Anfänger weißt du noch nicht, ob du das Talent oder ein ernstes Interesse am Thema hast. Durch Online Learning kannst du diese Frage klären, bevor du richtig viel Geld in deine Ausbildung steckst.

Fortgeschritten

Du kennst dich mit den Grundlagen aus. Dein nächster Schritt hängt nun davon ab, wie viele neue Informationen du online finden kannst. Dies kann von Thema zu Thema unterschiedlich sein. Gleichzeitig kann dies eine gute Gelegenheit sein, um die Grundlagen durch Übung wieder aufzufrischen. Das kannst du auf jeden Fall auch allein.

Profi

Du kennst dich mit dem Thema überdurchschnittlich gut aus und hast ein nachhaltiges Interesse an ihm. Du wirst mehr von einer realen Umgebung profitieren, in der du in Zusammenarbeit mit anderen Studenten dein Können auf die Probe stellen kannst. Mit anderen zusammenzuarbeiten bereitet dich darauf vor, was dich am Arbeitsplatz erwartet, und ist ein wichtiger Schritt, um dein Können auf ein professionelles Level zu heben. Man muss ehrlich zugeben, dass hier traditionelle Unis Online Learning schlagen.

Welcher Lerntyp bist du?

Jeder lernt anders: Porträtabbildungen verschiedener Avatare und Charaktertypen
Von LittleFox

Visueller Lerntyp

Du lernst durch Bilder, Tabellen, Diagramme und indem du Konzepte in Aktion siehst. Sowohl Online Learning als auch traditionelle Unis können dies bieten, aber in einem Hörsaal unterscheidet sich die Anzahl der Anschauungsmaterialien von Dozent zu Dozent. Online Learning ist komplett visuell, daher finden sich kaum Videos, bei denen der Dozent dir von Angesicht zu Angesicht etwas erklärt. Stattdessen siehst du häufig eine Demonstration mit einem Voiceover – perfekt für visuelle Lerntypen.

Auditiver Lerntyp

Du lernst durch Zuhören und Fragen stellen. Online Videos sind natürlich hörbar, aber du kannst keinen Dialog mit dem Dozenten in Echtzeit führen. Obwohl du bei beiden Methoden zuhören kannst, wird eine traditionelle Uni ansprechender sein.

Durch Lesen und Schreiben

Du lernst, indem du Informationen liest und diese durch Schreiben wiederholst. Du kannst dies auch beim Online Learning tun, aber in traditionelle Unis ist es gang und gäbe, Bücher zu lesen und Arbeiten zu schreiben.

Kinästhetischer Lerntyp

Du lernst durch Handeln. Die einzige Frage ist, ob du dies lieber in einer Gruppe machst oder für allein. Um in Gruppen zu arbeiten, ist es am besten, einen Kurs zu besuchen. Wenn du kein Problem damit hast, allein zu arbeiten, eignen sich Onlinekurse gut, vorausgesetzt du übernimmst die Verantwortung für deine eigenen Assignments.

Wie motiviert bist du zu lernen?

Eine motivierende Illustration auf Plakat, das einen Jet zeigt, der abhebt
Von Tee™

Stark motiviert

Du bist voll dabei. Du bist so motiviert, dass du dich weiterbildest, wo du nur kannst. Sowohl Onlinekurse als auch Vorlesungen können für dich von Vorteil sein, abhängig von deinem Thema und deinen Zielen. Onlinekurse haben hier einen kleinen Vorteil, da du aufgrund deiner Eigeninitiative besser in deinem eigenen, schnelleren Tempo lernst.

Relativ motiviert

Du bist neugierig. Du hast dich wahrscheinlich noch nicht entschieden, ob das Studienfach das richtige für dich ist, aber du bist motiviert genug, es selbst herauszufinden. Du kannst das gut online machen.

Überhaupt nicht motiviert

Dir graut es jetzt schon. Vielleicht handelt es sich um ein Thema, das du als Teil eines späteres Studiums lernen musst, dich aber überhaupt nicht anspricht. Du könntest von regelmäßigen Vorlesungen profitieren, wo du feste Verpflichtungen hast. Traditionelle Bildung ist sehr gut darin, Struktur, Deadlines und Konkurrenzkampf mit anderen Studenten zu bieten – was alles sehr motivierend ist. Aber wenn du an einem Punkt bist, an dem du für Motivation bezahlen musst, solltest du dich fragen, ob das Studienfach das richtige für dich ist.

Wie viel Zeit hast du?

Maskottchen-Logoentwürfe von tanzenden Uhren
Von Prometheus™

Du hast immer Zeit

Du bist entweder Lottogewinner oder arbeitslos. So oder so hast du alle Zeit der Welt zum Lernen. Nimm dort Unterricht, wo du es dir leisten kannst.

Du hast hin und wieder Zeit

Du hast hier und dort mal einen Nachmittag Zeit zu lernen. Onlinekurse sind schon allein deshalb am sinnvollsten, weil sie sich mit deinem Zeitplan vereinbaren lassen. Sei dir aber bewusst, dass es viel Verantwortung bedeutet, das Lerntempo selbst zu bestimmen. Du musst dennoch einen konsequenten Zeitplan erstellen und genauso viel Zeit investieren, wie wenn du zu einer klassischen Uni gehen würdest, wenn du wirklich etwas lernen möchtest.

Du hast so gut wie keine Zeit

Du bist entweder Workaholic oder besonders wichtig. Mit der Weiterbildung wird es grundsätzlich nichts bei dir. Es ist besser, wenn du dich noch mal mit dem Thema auseinandersetzt, wenn du auch wirklich genügend Zeit hast.

Welche Materialien benötigst du?

Flat design icon set für schlumaterialien
Von DreamMaster

Einfache Materialien

Dein Fach erfordert kaum mehr als einen Stift, Papier und Vorstellungskraft. Du wirst wahrscheinlich viel mit Theorie zu tun haben und du musst dafür nicht in einer Vorlesung sitzen. Natürlich wirst du einen Computer mit einer guten Internetverbindung brauchen, um online zu lernen, aber wenn du das nicht hättest, würdest du vermutlich nicht diesen Artikel lesen!

Teure Materialien

In deinem Fach gibt es schwere Maschinen oder die Art von Programmen, die deinen Computer zum schmelzen bringen. Wenn du diese Materialien unbedingt zum Lernen brauchst, solltest du dich für eine traditionelle Uni entscheiden. Einer der Vorteile klassischer Universitäten besteht darin, dass du die Räumlichkeiten, Bibliotheken, Datenbanken und Materialien der Uni nutzen kannst. Sei dir aber im Klaren darüber, dass die meisten Programme eine kostenlose Open-Source-Alternative haben, also schau dir diese an, bevor du deine Entscheidung triffst.

Wie komplex ist das Thema?

Figurenillustration eines Studenten mit einem Laptop, der abstrakte Lernsymbole projiziert
Von Zarina Gafarova

Halbwegs komplex

Du magst Herausforderungen und wirst keine Hilfe benötigen, die du nicht in einem Forum oder mithilfe einer Suchmaschine bekommst. Intellektuell hält dich nichts davon ab, selbständig zu lernen.

Wahnsinnig komplex

Du genießt es, den Computer gegen die Wand zu werfen. Der traditionelle Bildungsweg hat sehr gute Mittel, um Studenten bei schwierigen Themen zu unterstützen, beispielsweise Nachhilfe, detailliertes Feedback und Sprechstunden des Dozenten. Manche Seiten bieten Peer-Reviews, aber manchmal muss man einfach persönlich mit jemandem sprechen. Das Internet wird immer da sein, um die Lücken zu füllen.

Welches Lernziel hast du?

Eine Illustration von zwei Personen, die in einem Vorstellungsgespräch an einem Tisch sitzen
Von Wiell

Persönliche Entwicklung

Du willst in deiner Hochzeit einfach etwas Neues lernen. Es gibt keinen Grund, mehr als nötig auszugeben, wenn es dazu online mehr als genügend Mittel gibt.

Berufliche Entwicklung

Du bist auf der Suche nach einem neuen Job in einer neuen Branche oder möchtest dein Können für deinen aktuellen Job verbessern. Im letzteren Fall gibt es in vielen Branchen Konferenzen, die ergänzende Bildungsangebote bieten. Diese persönlich zu besuchen, kann dir die Gelegenheit zum Networken geben. Wenn du nur die Infos benötigst, kannst du auch kurz auf YouTube suchen, da viele dieser Konferenzen gefilmt werden.

Wenn du es auf ein komplett neues Feld abgesehen hast, finde heraus, ob dein Arbeitgeber eine bestimmte Qualifikation erfordert. Onlinekurse können diese bieten, aber eine anerkannte Uni wird auf dem Lebenslauf sehr viel besser aussehen.

Meistens suchen Arbeitgeber nach Erfahrung und Arbeitsbeispielen. Eines der größten Missverständnisse ist, dass der Erwerb eines Abschlusses direkt zu einem neuen Job führt. Ein Abschluss ist wichtig, aber er unterscheidet dich kaum von den riesigen Massen an Arbeitssuchenden mit demselben Abschluss. Also sorge dafür, dass deine Ausbildung, egal wo und wie du sie erlangst, dir die Gelegenheit gibt, konkrete Errungenschaften zu erzielen.

Lerne im und außerhalb des Hörsaals

Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist die Kontroverse um Online Learning und traditionelle Unis ziemlich albern. Nichts hält dich davon ab, beides zu nutzen. Bildung ist zugänglicher als jemals zuvor und auch wenn wir noch einen weiten Weg vor uns haben, ist das letztendlich eine gute Sache.

Beide Ansätze haben ihre Vorteile und wenn dir ein Thema wirklich am Herzen liegt, solltest du motiviert genug sein, dich weiterzubilden, wann immer es möglich ist. Grundsätzlich solltest du so viel wie möglich selbst lernen und dann auf eine förmliche Ausbildung setzen, bei der du die Gelegenheit hast, andere Studenten zu treffen, mit ihnen zu konkurrieren und zusammenzuarbeiten.

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