Die Warteschleife wird auch als akustische Visitenkarte eines Unternehmens bezeichnet. Schließlich ist es oft das erste Element einer Marke, mit dem Kunden konfrontiert werden, wenn sie telefonisch Kontakt aufnehmen.

Wir als Grafikdesign-Marktplatz sind uns dieser zentralen Bedeutung bewusst und wollten den ersten akustischen Kontakt mit unseren Anrufern daher ganz individuell und im Einklang mit unserer Marke gestalten.

Die passende Komposition für diesen Zweck, die nun unseren Kunden die Wartezeit verschönert, kommt vom in Berlin ansässigen Künstler und Musiker Lvis Mejía.

So klingt Lvis Mejías akustische Kreation für die 99designs-Warteschleife:

 

Seine Intention bei diesem Stück war es, durch die Andersartigkeit des Tunes einen Überraschungseffekt zu kreieren, zu unterhalten und die Wartezeit dadurch gefühlt zu verkürzen. Mit jazzigen Bass- und Flötenklängen hat Lvis Mejía den Stil von 99designs perfekt eingefangen.

Im Interview berichtet er uns von seiner Musik, seiner Inspiration und seinen kommenden Projekten.

Lvis Mejía in seinem Studio
Lvis Mejía in seinem Studio

Name des Künstlers: Lvis Mejía
Spezialität: Interdisziplinäre Kunst
Kommt ursprünglich aus: Mexico City
Derzeit ansässig in: Berlin
Name des Musikstücks: Hold on, ninety-nine designs!

Erzähl uns ein bisschen von dir. Wie kamst du zur Musik?

Als interdisziplinärer Künstler entfaltet sich meine Arbeit in verschiedene Richtungen. Unabhängig vom Format oder der Herangehensweise gibt es dennoch meist einen roten Faden. Geschichte, der menschliche Zustand, Philosophie, Wissenschaft, Phänomenologie und Politik sind wiederkehrende Themen meiner Arbeit. Dies zusammen mit meinem eigenen vielschichtigen Charakter sorgt dafür, dass ich nicht der unkomplizierteste Mensch bin.

Ich glaube wirklich, dass Musik die tonale Interpretation meiner Gedanken und Gefühle ist; deshalb kann auch sie nicht auf simple Elemente reduziert werden.

Schon in jungen Jahren war ich leidenschaftlicher Musikliebhaber. Vor 7-8 Jahren begann ich Melodien zu produzieren und mit ihren endlosen Möglichkeiten herumzuexperimentieren, als eine ehemalige Mitbewohnerin mir eine Musik-Software Demo zeigte, die sie auf ihrem Computer installiert hatte. Ich begann damit zu spielen wie ein fasziniertes Kind. Es machte Spaß und ich wusste, ich hatte etwas absolut Aufregendes entdeckt. Mir war nicht einmal klar, dass ich begonnen hatte, den Computer meiner Mitbewohnerin zu übernehmen, bis sie vorschlug, ich solle mir doch einen eigenen zulegen. ☺ Ich wusste ohne Zweifel, dass das passieren musste. Ich kaufte einen Laptop, besorgte mir die nötige Software – und beide begleiten mich bis heute.

Wie würdest du den Stil deiner Musik im Allgemeinen beschreiben?

Das war schon immer eine schwierige Frage. ☺

Zunächst ist es schwer, allgemeine Punkte festzulegen, da die meisten meiner Endergebnisse projekt- und konzeptbasiert sind. Es gibt jedoch wiederkehrende „Genres“ in meinen Kompositionen, wie beispielsweise zeitgenössische Klassik, Ambient, Jazz, religiöse Gesänge, Electronica, um nur einige zu nennen. Der gemeinsame Nenner scheint zu sein, dass meine Stücke oft geladen und vielschichtig sind.

Lvis Mejia Album Cover
Lostoys LP Album-Cover, veröffentlicht im Mai 2015

Warteschleifenmusik hat den Ruf, notorisch nervend oder schlicht und einfach schlecht zu sein. Wie wolltest du das mit diesem Stück ändern?

Meiner Meinung nach ist die Musik in Warteschleifen nicht gewagt genug, sie versucht einfach ungewollte Momente zu überbrücken, ohne echte Aussage. Sie ist feige und kitschig. Ich glaube ernsthaft, dass es sich hier um eine sehr angebrachte Gelegenheit handelt, etwas mit unverkennbarer Qualität zu bieten und den Vorteil des Unerwarteten zu nutzen. Was meiner Ansicht nach vermieden werden sollte, ist das vorprogrammierte Gefühl von Langeweile und Ärger für eine unbestimmte Zeit, bevor man durchkommt und sich auf das zu konzentrieren versucht, was man von der Person am anderen Ende der Leitung wollte.

Ich zielte darauf ab, eine semi-eingängige Melodie zu bieten, die mit Freude überrascht, indem ich ein unkonventionelles Instrument verwendete: einen jazzigen Kontrabass.

Wie bist du auf dieses spezielle Stück gekommen?

Ich hatte etwas mit einem geschmeidigen Charakter und einem leichten Groove im Kopf, also dachte ich an eine „jazzige Färbung“. Ich gab nicht vor stark einzugreifen, sondern zielte auf die Eleganz der „guten, alten Schule” ab.

Ich war über die Werte der Unternehmens informiert und wollte eine Herangehensweise hinsichtlich der Tonalität und Instrumentierung bieten, die gut zum Konzept von 99designs passt: „Design liebt eine gute Überraschung.”

 

Album Cover Lvis Mejia
Antropology of AmnesiA, Vinyl-Design für LP-Album, Veröffentlichung im September 2017

Welches Gefühl wolltest du in den Hörern erwecken?

Ich wollte eine unerwartete, fröhliche Hörerfahrung bieten, die Zuhörer im Idealfall vergessen lässt, dass sie sich in einer Warteschleife befinden.

Was sind deine aktuellen Projekte? Was können wir als nächstes von dir erwarten?

Momentan arbeite ich am Artwork für meine nächste Veröffentlichung mit dem Titel Anthropology of AmnesiA. Es ist ein elektro-akustisches Essay, das die ausgesprochene Notwendigkeit der Erinnerung im Angesicht existentieller Vergessenheit adressiert, ein angeborenes Verhalten der menschlichen Spezies.

Präsentiert als 33-minütige kontinuierliche Komposition, entspinnt sich Anthropology of AmnesiA als Reihe von Kapiteln. Der kontemplative Charakter des Stückes öffnet einen bestimmten Rahmen innerhalb der Hörerfahrung. Dort versuche ich das Phänomen des kollektiven Bewusstseins durch die Spuren, die wir hinterlassen, zu vermitteln. Es ist verwandt mit der Idee von „einer Spezies, einer Kultur, einer Vergangenheit.”

Es wird im September diesen Jahres veröffentlicht bei oqko, dem Label und Kollektiv bei dem ich aktives Mitglied bin.

Danke, dass du dir Zeit für ein Interview mit uns genommen hast! Wir sind gespannt auf deine kommenden Projekte!

Wer mehr über Lvis und seine Arbeit erfahren möchte, kann hier mit ihm Kontakt aufnehmen.