„Pop Art“ ist ein Begriff, der sich wie ein Gegensatz liest. Kunst wird oftmals als anspruchsvoll und originell gepriesen. Pop dagegen als anspruchslos und monoton verachtet. Doch in vielerlei Hinsicht beschreibt der Begriff, was Pop Art Design so faszinierend macht: Es zelebriert die Ironie und kombiniert, was nicht miteinander kombiniert werden sollte.

Pop art design
Illustration von OrangeCrush

Natürlich verdankt Pop Art Design seine Bedeutung nicht nur seinem eingängigen Namen. Es ist ein unglaublich lebhafter, frecher und vielfältiger Stil, dessen Reiz jahrzehntelang Bestand hatte, zweifellos weil er die Kunst den Händen der Elite entrissen und sie massenkompatibel gemacht hat. Um dir dabei zu helfen, diese Ästhetik für dich zu nutzen, schauen wir uns die Wurzeln der Pop Art und die vielen Wege, auf denen sie noch heute genutzt wird, an.

Was ist Pop Art Design?

Richard Hamiltons: Just what is it that makes today's homes so different, so appealing?
Richard Hamiltons „Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?“ („Was macht unsere heutigen Wohnungen eigentlich so anders?“) aus dem Jahr 1956 via Wikimedia Commons

Pop Art Design ist eine Kunstbewegung, die Mitte der 1950er und 60er Jahre vorherrschte und sich weitgehend auf Darstellungen der populären, amerikanischen Popkultur-Ikonografie konzentrierte. Diese Darstellungen reichten von buchstäblichen Darstellungen wie Roy Lichtensteins Reproduktionen echter Comics bis hin zu stilisierten Darstellungen, wie Richard Hamiltons Magazin-Collagen. Im Gegensatz zu Kunstwerken, die die besondere Handschrift eines Künstlers betonten, ahmte Pop Art die unpersönlichen und maschinengesteuerten Grafiken kommerzieller Produkten nach.

Wie bei jeder Kunstform ist nicht immer eindeutig, was Pop Art definiert – es hängt von den Leidenschaften und Empfindungen ab, die sich unweigerlich von Künstler zu Künstler unterscheiden. Die meisten Pop Art-Werke haben allerdings ein paar Gemeinsamkeiten:

  • Thema sind häufig beliebte Bestandteile der amerikanischen Kultur, wie Promis, Werbung, Einkaufskataloge und Comics
  • Techniken für die Massenproduktion wie Halbton-Druck
  • Exzessive Wiederholung
  • Bildreproduktionen mit substituierten Farben
Roy Lichtenstein’s Whaam!
Roy Lichtensteins Whaam! (1963) via Tate Modern

Während all dies die visuellen Eigenschaften von Pop Art beschreibt, erklärt es allerdings nicht, welche Bedeutung Pop Art sowohl für seine Künstler als auch Anhänger hatte. Wie hat es ein Stil, der oftmals dieselben, viel zu oft gesehenen kommerziellen Bilder abbildet, geschafft, so eine nachhaltige Wirkung zu erzielen? Um das zu verstehen, müssen wir uns den historischen Kontext der Zeit, des Ortes und der beteiligten Personen ansehen.

Eine kurze Geschichte der Pop Art

Die Wurzel der Pop Art

Wie viele künstlerische Revolutionen wurde Pop Art häufig abgesprochen, Kunst zu sein. In gewissem Sinne hatten diese Kritiker Recht: Reproduktion von allgemein verfügbaren Bildern war sicher nicht das, worum es bis dahin in der Kunst ging.

Aber zur gleichen Zeit hatte die amerikanische Kunst eine relativ neue Periode des Realismus, oder Naturalismus, erlebt. In dieser Bewegung wandten sich die Künstler von religiösen oder bürgerlichen Porträts ab und (oftmals düsteren) Szenen gewöhnlicher Menschen zu, um das amerikanische Leben so zu zeigen, wie es wirklich war. Im Gegensatz dazu standen modernistische europäische Bewegungen wie Kubismus, Dadaismus und Surrealismus, von denen viele in der Armory Show von 1913 von den Amerikanern mit Bestürzung und Entsetzen aufgenommen wurden – Theodore Roosevelt selbst sagte über den französischen Künstler Marcel Duchamp: „Er ist verrückt und seine Vorstellungskraft ist mit ihm durchgegangen!“ Aber all die Bewegungen waren wichtige Wegbereiter der Pop Art, weil sie in Frage stellten, wie Kunst aussehen sollte und worum es bei ihr gehen könnte.

Marcel Duchamp’s Fountain
Marcel Duchamps „Fountain“ (1917) hatte Einfluss auf die Pop Art, da sie ein massenproduziertes Produkt präsentierte und das Konzept über die Technik des Künstlers stellte. Bild via Wikimedia Commons.

Außerhalb der Kunstwelt hatte sich das Leben der Amerikaner drastisch verändert. Durch die Industrialisierung kam es zur Massenproduktion und überfüllten, urbanen Zentren. Später sorgten das Ende des Zweiten Weltkriegs und der Wirtschaftsboom dafür, dass die Menschen reihenweise in die Vororte zogen, auf der Suche nach einem ruhigen Leben.

Gleichzeitig entstand die Werbeindustrie mithilfe neuer Technologie wie Radio und Fernsehen. Praktiken, die auf aufstrebende Bilder, Slogans und Jingles setzen, die bis zum Überdruss wiederholt werden, wurden alltäglich.

Viele der Bilder, die während dieser Zeit in der Werbung genutzt wurden (Familien beim Grillen im Garten, Hausfrauen mit gemachten Haaren und Makeup, die das neueste Gerät zeigen, und Menschen, die eine Coca-Cola nach einem guten, alten amerikanischen Baseballspiel genießen) spiegelten und formten das ideale Vorstadtleben, welches als „amerikanischer Traum“ vermarktet wurde. So waren die Werte der amerikanischen Kultur in dieser Zeit weitgehend mit Fernsehen, Film und Kommerz verbunden. Diese kulturellen und künstlerischen Bewegungen legten den Grundstein für das Pop Art Design.

Vintage baseball Coca Cola Anzeige
Vintage Coca-Cola-Werbung via Pinterest

Künstler der Pop Art

Obwohl amerikanische Medien und Materialismus Gegenstand der Pop Art waren, stammt der Begriff ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich der 1950er Jahre. Im europäischen Kontext war Pop Art größtenteils eine Reaktion auf den immer größer werdenden Einfluss amerikanischer Popkultur durch Werbung.

Peter Blake’s Albuhülle für Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band
Peter Blakes Album-Cover für Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band via Wikimedia Commons

Die Kollagen des britischen Künstlers Peter Blake beispielsweise kombinierten Bilder amerikanischer Popkultur mit Bildern britischer Popkultur. Sein Album-Cover für Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band zeigt eine Vielzahl kultureller Ikonen, die auffällig hinter den Beatles stehen, von Bob Dylan und Fred Astaire über Shirley Temple und William S. Burroughs.

Pauline Boty’s It’s A Man’s World I
Pauline Botys It’s A Man’s World I (1964) via paulineboty.org
Robert Rauschenberg’s Retroactive II
Robert Rauschenbergs Retroactive II (1963) via Robert Rauschenberg Foundation

Währenddessen arbeitete Pauline Boty, eine Mitgründerin der britischen Pop Art-Bewegung, regelmäßig Werbeportraits männlicher und weiblicher Prominenter in ihre Gemälde ein und kombinierte sie in feierlicher Sinnlichkeit mit Rosenblättern und lebhaften Farben.

Später wurde ihre Arbeit kritischer, besonders in ihrem Gemälde It’s A Man’s World I aus dem Jahr 1964, in dem bekannte Bilder berühmter Männer als Grundpfeiler der Regierung und des Krieges dargestellt wurde.

Auf der anderen Seite des großen Teichs stellten amerikanische Künstler ihr eigenes Verhältnis zur ausufernden Werbung als Spiegelung von Idealen und Realität dar. Ähnlich wie klassische Künstler der Griechischen Antike ihre mythischen Helden und Götter als Inbegriff der Schönheit modellierten, hatten die amerikanischen Medien neue Schönheitsstandards geschaffen.

James Gill’s The Machines
James Gills The Machines (1965) via Wikimedia Commons

Robert Rauschenberg, einer der ersten Künstler der amerikanischen Pop Art und in gewisser Weise ein Nachfolger des „verrückten“ Dadaisten Duchamp, schuf Collagen aus gemischten Materialien, die weggeworfene Objekte in die Gemälde integrierten, ähnlich wie die vergrabenen Artefakte, welche verlorene Zivilisationen definieren.

James Gill ist ein weiterer Pop Art-Künstler, der Bilder von Politikern und aktuellen Ereignissen in seiner Kunst zeigte, allerdings in einem deutlich kritischeren Ton als seine Zeitgenossen – so wie The Machines (1965), welches Nixon dabei zeigt, wie er in Mikrofone spricht, deren Kabel hinunter in Fotos eines tödlichen Krieges führen.

Rosalyn Drexler – die sich mit Disziplinen wie bildender Kunst, Romanschreiben und Wrestling rühmt – entwarf ihre Gemälde auf ähnliche Weise aus ungleichen, collagierten Bildern, die oft von Plakaten von Pulp-Filmen stammten, und übermalte sie mit kräftigen, minimalen Farben.

Rosalyn Drexler’s Lovers
Rosalyn Drexlers Lovers (1963) via rosalyndrexler.org

Andy Warhol wird oftmals als der Star der Pop Art beschrieben, ein Star, der letzten Endes so bekannt geworden ist wie diejenigen, die er dargestellt hat. Viele seiner Arbeiten haben tatsächlich auf den Punkt gebracht, worum es bei Pop Art geht. Sein berühmtes Werk Campbell’s Soup Cans (1962) wurde reproduziert und in Zeilen und Spalten gezeigt – ein künstlerischer Spiegel des Supermarktangebots.

Andy Warhol’s Campbell’s Soup Cans
Andy Warhols Campbell’s Soup Cans (1962) via Wikimedia Commons
Andy Warhol’s Marilyn Diptych
Andy Warhols Marilyn Diptych (1962) via Wikimedia Commons

Im Großen und Ganzen ist Pop Art sowohl eine Bewegung, die mit amerikanischer Kultur assoziiert wird, als auch die künstlerische Gegenkultur der 1960er Jahre. Nichtsdestotrotz hat ihr Erbe die Zeit überdauert.

Besonders in den 80ern erlebte sie ein Revival durch Keith Haring, dessen energiegeladene Humanoiden Wiederholung und kommerzielle Vervielfältigung hervorhoben, um zugängliche Kunst zu kreieren. Auf diese Weise kamen seine Wandmalereien und sein Pop Shop-Merchandise zu massivem Ruhm, während sie gleichzeitig auf Themen wie Apartheid und die Diskriminierung Homosexueller aufmerksam machten.

In jüngster Zeit haben Künstler wie Takashi Murakami und Banksy Pop Art in die moderne Welt gebracht.

Kieth Haring’s Ignorance = Fear
Keith Harings Ignorance = Fear (1989) via haring.com

Pop Art im modernen Design

Letzten Endes hat Pop Art eine vielseitige Ästhetik, die jeder Designer in seiner Arbeit nutzen kann, unabhängig davon, in welchem Jahrzehnt er lebt. Um zu verstehen, wie man dies macht, lass uns einen Blick auf einige moderne Designs werfen, die Pop Art nutzen.

Viele Designer erzielen diesen Stil, indem sie sich auf klassische Pop Art-Werke beziehen und diese nachahmen. Dies ist nicht nur die einfachste Herangehensweise, sondern passt auch gut zum Ethos der Pop Art, sich Dinge anzueignen und sie zu parodieren.

Sowohl Digital Man als auch oink! design gehen beispielsweise diesen Weg, um Logodesigns als eine Reihe mehrfarbiger Porträts in einer Hommage an Marilyn Diptych darzustellen, wobei kommerzielle Vektortechniken als Äquivalent des digitalen Zeitalters zur Massenproduktion der 60er Jahre fungieren.

Alebelka und Monsat dagegen nutzen Wiederholung und Reproduktion, um Designs zu kreieren, die an Campbell’s Soup Cans erinnern.

Vintage-Buchcover für einen Chicklit-Roman
Von Alice R

Der obige Ansatz funktioniert am besten, wenn die Werke, auf die sich bezogen wird, bekannt sind. Im Ergebnis erinnert es mehr an Warhol selbst als an Pop Art im Allgemeinen. Aber zusätzlich zu den bestimmten Werken und Künstlern wird es auch mit den 1960ern assoziiert und aufstrebende Pop Art-Künstler können auf die Ästhetik dieses Jahrzehnts zurückgreifen. Während die Popkultur sich im Laufe der Jahre stark verändert hat, sind die Ideale klassischer Werbung noch immer spürbar. Wenn überhaupt, hat die Zeit lediglich ihren oberflächlichen Charakter enthüllt.

Designs in diesem Stil zeigen (oftmals ironisch) die Glückseligkeit des Vorstadtlebens der 50er Jahre, so wie beim Buch-Cover von Alice R. Die Vintage-Illustration einer lächelnden Frau sieht aus, als hätte man sie direkt aus einer alten Zeitschriftenbeilage gerissen, ganz abgesehen von dem stilisierten Farbfilter. Aber der anklagende Titel „Du bist also immer noch nicht verheiratet?“ lässt das scheinbar unschuldige Lächeln angestrengt wirken.

Alte Superhelden sind ein weiteres wiederkehrendes Element im Pop Art Design, besonders aufgrund ihrer Verkörperung makelloser Tugenden. Tomie O geht noch einen Schritt weiter, mit einem Verpackungsdesign, das nicht nur einen Superhelden zeigt, sondern auch altmodische Schrift und grafischen Text, die an alte Einkaufskataloge erinnern.

Vintage-Comic-inspiriertes Verpackungsdesign
Von Tomie O

Neben der direkten Bildsprache der Popkultur haben viele Pop Art-Künstler auch klassische Techniken der Massenproduktion in ihre Werke aufgenommen, insbesondere die des Rasterpunkts. Diese erinnern auch an Polka Dots, wie sie in den Werken berühmter Pop Art-Künstler wie Yayoi Kusama genutzt werden. Das Tolle an Rasterpunkten ist, dass sie Designs auf subtile Weise ein Gefühl von Pop Art verleihen können, wodurch sie für eine Vielzahl von Designkontexten geeignet sind, von der Verpackung bis zum Logodesign.

Setze auf Pop Art Design

Pop Art Design ist ein dynamischer, froher Kunststil, der es geschafft hat, sich ein halbes Jahrhundert lang zu behaupten, was nicht verwunderlich ist, angesichts des starken Eindrucks, den er vermittelt.

Pop Art spricht mit vertrauten Bildern und Techniken das allgemeine Empfinden an. Gleichzeitig zeigt es uns, was uns wichtig ist, indem es uns unsere Werbung, Idole und sogar unseren Abfall vor Augen führt. Aus all diesen Gründen solltest du über ein Pop Art Design nachdenken, wenn du der Meinung bist, dass deine Designs oftmals zu uninspiriert sind.

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