Wenn es um die Kunst des Horrors geht, können Autoren gruselige Spannung und noch gruseligere Charaktere nutzen. Filmemacher haben groteskes Make-up und furchterregendes Sounddesign und Grafikdesigner haben ein noch viel gruseligeres Werkzeug in ihrem Ärmel: Typografie!

Okay, vielleicht hat noch niemand seit der Erfindung des Papyrus wegen einer Schriftart gekreischt, aber Typografie hat viel Bedeutung bei der Untermalung der Motive jedes Designprojekts. Und da Horror-Motive sehr viel extremer sind als andere Genres, kann die von ihnen hervorgebrachte Typografie besonders eindrucksvoll sein.

Furcht und Schrecken sind nicht die einzigen Gefühle, die Horror-Typografie hervorrufen kann. Dieses gruselige Genre ist auch sehr gut darin, Stärke, Mysterium, Verlockung und vieles mehr auszudrücken. Zumindest hat Horror eine Art, unsere Aufmerksamkeit zu erregen – selbst wenn wir durch die Lücken zwischen unseren Fingern schauen. Wir können viel von der Typografie des Horror-Genres lernen und wir haben unsere besten Lektionen hier für dich gesammelt.

Schauderhafte Eleganz

Die Schrift-Designer der Anfangszeit des Films wussten, dass das Publikum noch an Abende im Theater gewohnt war – was Theaterprogramme, echte Schauspieler und (leider) wenig Blut bedeutete. Dies führte sie zu vornehmen Serifen und Handschriften – Schriftarten, die auch gut zu einer Hochzeitseinladung passen würden.

Ihre Wahl harmonierte gut mit dem Verhalten klassischer Hollywood-Monster. In der guten alten Zeit waren Monster respektable Gentlemen, die du gern deiner Mutter vorstellen würdest, selbst wenn sie sich später an ihrem Blut laben. Ebenso fühlten sich die Filme durch diese Schriftarten wie Werke einer Kunstgalerie an und erlaubten es dem Publikum, sich seinem niederen Verlangen nach Schock und Terror hinzugeben.

Solch gesittete Schriftarten funktionieren auch für ausgefallenere Konzepte. Obwohl mit diesen Schriftarten eine allgemeine Feinheit assoziiert wird, haben sie auch etwas Altweltliches, Abergläubisches und Gotisches an sich. Wenn du mich fragst, sind sie ein bisschen zu sauber ausgearbeitet und man kann sich vorstellen, dass etwas unter ihrer Oberfläche lauert, besonders im Kontrast zu einem düsteren Hintergrund.

A black and white alice in wonderland themed logo
Logo für Bekleidungsmarke von Dusan Klepic DK™
Atelier-Logo von Mad pepper.
A black and white photographer’s wordmark logo
Logo für Fotografen von Dalibass

Alptraumhaftes Zeitungspapier

Nach dem Vorbild von Orson Welles‘ berüchtigtem Radiohörspiel Krieg der Welten sparten Posterdesigner für B-Movie-Horrorfilme nicht an aufsehenerregenden Überschriften. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass diese Filme heute billig und saukomisch sind.

Da Zeitungen zur damaligen Zeit ein wichtiger Teil des Alltags waren (keine Smartphones, kein Instagram, keine Ablenkungen), war es wahrscheinlicher, dass Passanten von einer auffälligen Überschrift zum Anhalten bewogen wurden. Die kräftigen Serifen einer Zeitungsschrift – auch wenn sie etwas verzweifelt nach unserer Aufmerksamkeit zu ringen scheinen – haben sich als Zeichen für Gefahr in unserer Psyche eingeprägt, angesichts dessen, wie sehr sie den simplen, zweckmäßigen Schriftarten der Schilder ähneln, die uns sagen, unser Auto anzuhalten oder uns vor Hochspannungszäunen in Acht zu nehmen. Ebenso wie Warnschilder überschwemmen Zeitungsüberschriften den Betrachter mit dem Gefühl drohenden Verderbens.

Wenn dieser Layout-Stil für andere Designprojekte genutzt wird, ist der Leser instinktiv dazu angehalten, den Text zu überfliegen. Wenn du deinen Job als Designer gut gemacht hast, wird der Leser nicht über die billigen Spezialeffekte lachen.

Schaurige Comics

Mit den Horror-Comics der 1950er-Jahre wurden die Typografie-Trends schließlich seltsam. (Nein, nicht so seltsam). Angesichts der Tatsache, dass es sich um ein illustriertes Medium handelt, konnten Typographen kreativere Wege erkunden, den Horror direkt auf die tatsächliche Buchstabenform zu bringen.

Tales From the Crypt comic
via EC Comics

Um die Komposition auszubalancieren, konzentrierten sich dekorative Schriften und Effekte wie Schlagschatten auf ein einziges Wort, was den Designern die Freiheit gab, dieses so ausgefranst und schleimig zu gestalten, wie sie wollten. Unterdessen waren die kräftigen Sans-Serif-Schriften des Begleittextes eine starke, aber schmucklose Ergänzung. Das Endergebnis ist ein einzelnes, einfühlsames Wort, das in deinem Kopf widerhallt, als hätte der Cryptkeeper selbst es gesagt.

Designer haben vielleicht nicht immer die Absicht, uns mit ihren abenteuerlichen Schriftarten zu gruseln (obwohl sie diese Wirkung haben können), aber wenn sie sich dazu entscheiden, ein bisschen auszuflippen, können nackte, unterstützende Schriftarten Kontrast und Nachdruck bieten.

von jestyr37
A golf company wordmark logo
von HUPIA

Verfluchte Handschrift

Der Vorteil von Handschriften besteht darin, dass sich durch sie ein Design vertraut und persönlich anfühlt, im Gegensatz zu den geometrischen, präzisen Schriftarten, die man bei einem Computer findet. Aber Designer des Horror-Genres zeigen, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem persönlichen und einem freundlichen Touch.

Eine Wortmarke voller unvollkommener Buchstaben und verschobener Grundlinien kann ein subtiles Gefühl von Unbehaglichkeit erzeugen, was den ängstlichen Betrachter dazu bringt, herauszufinden, wem diese zitternde Hand gehört.

Während die vertraute Eigenschaft einer Handschrift gut zu persönlicheren, umweltfreundlichen Produkten passt, hat sie auch eine chaotische Assoziation inne. Versuche es mit einem unordentlicheren Schriftstil, wenn du Eigenschaften wie Urbanität und Rauheit kommunizieren willst.

Furchterregende Serifen

Book cover of Stephen King’s “‘Salem’s Lot”
via Doubleday

Während das Ziel eines Buchcovers für einen Horror-Roman darin besteht, den Leser auf die bevorstehende Gänsehaut vorzubereiten, ist es manchmal gruseliger, ihn unvorbereitet zu lassen.

Viele Horrorbuch-Cover der 70er-Jahre zeigen große, dekorative Serifen in einer mittigen Ausrichtung gepaart mit auffallend zahmen Bildern. Dies hing hauptsächlich mit der Bekanntheit des Autors zusammen. Bei einem Roman von Stephen King wusstest du, dass du dich auf ein paar schlaflose Nächte einstellen konntest, daher konnte das Design durchaus etwas abgespeckter sein.

Im Gegensatz zu den Titeln alter Monsterfilme, die auf diesen klassischen „Abend-in-der-Oper“-Vibe aus waren, erzeugen diese dekorativen Serifen ein ruhiges und einladendes Buchcover, das in starkem Kontrast zu den bedrohlichen Inhalten steht. Ebenso können Designer ihre Schriftart als rätselhaftes und faszinierendes Herzstück für ihre Komposition nutzen, wodurch sie den Betrachter dazu bringen, mehr erfahren zu wollen.

Skeuomorphische Ängste

Inspiriert von den triefenden Schriftarten der Horror-Comics haben viele Typografen nach noch abenteuerlichen Wegen gesucht, die Grenzen der Buchstabenformen auszureizen. Daraus folgt Skeuomorphismus. Traditionell wurde Skeuomorphismus von Künstlern verwendet, um klassische Strukturen und Formen der Vergangenheit nachzuahmen. Es sollte Nostalgie und Behaglichkeit einfangen. Wer hätte geahnt, dass Designer es eines Tages nutzen würden, um die Textur von verfaultem Fleisch einzufangen?

Film poster for 1980’s “The Fog”
via Embassy Pictures

Skeuomorphische Schriftarten heben sich von anderen ab, indem sie absichtlich die Grenze zwischen Typografie-Stilen und dem künstlerischen Medium, für das sie stehen, verschwimmen lassen. Im Reich des Horrors ist es so, als würdest du nicht das Plakat eines Gruselfilms ansehen, sondern ihn bereits schauen. Oder vielleicht bist du sogar ganz in ihm.

Logo-Designer können diesen typografischen Stil nutzen, um die Wortmarke und die Bildmarke zu einer Einheit zu verschmelzen. Ein Vorteil ist, dass man Platz spart, aber Skeuomorphismus (und das visuelle Interesse, das er erzeugt) hat auch den gegensätzlichen Effekt, den Betrachter dazu zu bringen, den verzogenen, schwer zu entziffernden Text entziffern zu wollen.

Verdrehte Buchstaben

Obwohl es viele Entwicklungen und Veränderungen in der Geschichte der Typografie gab, folgen Schriftarten in der Regel strikten Konventionen. Sie sind immer nach Standardmaßen angeordnet: X-Höhen, Grundlinien, Unterschneidung und mehr. Selbst wenn es sich um unordentliche Handschriften handelt. Deshalb wird eine Übertreibung eines einzelnen Buchstabens dem Betrachter das Gefühl geben, dass dieser Fehl am Platz ist.

Die Konventionen der Typografie zu brechen ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Obwohl die Designer von Horror-Postern einen Buchstaben betonen, um ein intuitives Gefühl der Ungenauigkeit zu erzeugen, können Designer für andere Projekte diese Methode nutzen, um einen Mittelpunkt entstehen zu lassen. Diese simple Veränderung kann aus einer normalen Schriftart etwas Besonderes machen.

Letzten Endes erhält eine Schriftart alle Aufmerksamkeit als komplettes Wort, aber Typografen verbringen Zeit und Mühe damit, jeden Buchstaben auszuarbeiten. Warum nicht hin und wieder einen einzelnen Buchstaben in den Mittelpunkt stellen?

Schriftarten von der dunklen Seite

Manche Designer behandeln ihre Schriftarten wie einen Nebendarsteller der Komposition, aber Designer in der Geschichte des Horror-Genres haben sie zum Hauptdarsteller gemacht. Obwohl die schaurigen Inkarnationen vielleicht nicht für jeden funktionieren, haben Horror-Schriftarten auch eine dezentere, nuanciertere Seite. Das nächste Mal, wenn du dieselben alten Schriftstile satt hast, denke darüber nach, dein herkömmliches Typografie-Reich zu verlassen und eine Welt zu betreten, die real, aber nicht so hell beleuchtet ist – die dunkle Seite.

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