Wenn du in die weite Welt der Typografie eintauchst, scheint sie zunächst vermutlich überwältigend. Schriftarten, mehr als beinahe jedes andere Designelement, übermitteln deinem Betrachter sofort sowohl eine Botschaft als auch ein Gefühl, daher ist es wirklich wichtig, die richtige Schriftart zu wählen.

the different types of fonts
Jede der 5 Schriftarten hat ihren eigenen, individuellen Charakter.

Es gibt abertausende Schriftarten in einer ganzen Bandbreite von Stilen, die mit einem Mausklick leicht verfügbar sind. Aber es ist schwerer als jemals zuvor einzuschätzen, ob du die richtige Schriftart für dein Projekt oder deine Komposition gewählt hast. Lies weiter, um zu erfahren, wie man die richtige Wahl trifft, indem man die unterschiedlichen Schriftarten versteht und lernt, zu welchen Projekten sie am besten passen.

Die Anatomie der Schriftarten

Bevor wir uns in die Welt der Schriftarten und Stile begeben, kann es hilfreich sein, ein paar Dinge über die Anatomie einer Schrift zu verstehen. Alle Schriftarten liegen auf einer unsichtbaren Ebene namens Grundlinie – betrachte sie als die blauen Linien auf deinem losen Blatt Papier – und haben eine unsichtbare Achse, genannt Mittellinie.

the parts of type

Die H-Linie ist die oberste Ebene eines Großbuchstaben, wie der gerade Strich auf einem großen T. Der Querstrich ist die Linie in der Mitte, die ein großes H oder A durchkreuzt. Einige Buchstaben, wie das kleine h oder b haben etwas, das man Oberlänge nennt, eine Linie, die oberhalb der Mittellinie verläuft. Andere haben eine Unterlänge, welche – du ahnst es bereits! – unterhalb der Grundlinie verläuft. Klassische Unterlängen sind die kleine Schleife bei einem kleinen g oder die untere Hälfte eines y.

Alle Buchstaben haben diese grundlegenden Teile, aber ihre Dicke (bekannt als „Stärke“), Form und Höhe haben Einfluss darauf, zu welcher Familie oder Art von Schrift sie gehören.

Lerne die Gang kennen: die 5 Schriftarten

Serifenschriften

Dart Farms logo
Design von curtis creations für Dart Farms.
The Girl With No Past logo
Design by Meella.
The Brow and Lash Company logo
Design by ultrastjarna.

Serifenschriften sind die klassischsten, ursprünglichen Schriftarten. Sie sind nach den kleinen Füßchen am oberen und unteren Ende der Buchstabenformen benannt. Serifenschriften gehen auf die Römer zurück, die ihre Pinselstriche oben und unten aufbrachen und so die Serifen erschufen, wie wir sie heute kennen. Serifenschriften kamen im 15. Jahrhundert in Mode und hielten 300 Jahre lang Hof. Selbst innerhalb dieser einen Bezeichnung gibt es tausende kleinerer Unterteilungen (Old Style, Classical, Neo-Classical, Transitional, um nur ein paar zu nennen). Während ein normaler Betrachter sie alle zusammenwerfen würde, kann ein Schrift-Nerd erklären, dass die subtilen Unterschiede zwischen Stärke, Oberlänge und Form der tatsächlichen Serife verraten, zu welcher Zeit sie entstanden sind.

Diejenigen, die keine Nerds sind, müssen folgendes wissen: Serifenschriften sind in unserem Alltag omnipräsent, in beinahe jedem Buch, das wir lesen, oder Dokument, das wir öffnen (Hallo, Times New Roman). Sie sind die erste Wahl für Logos oder gedruckten Text und werden in der Regel als die zuverlässigsten (oder konservativsten) Schriftarten auf dem Planeten betrachtet. Unsere Augen lieben sie, sowohl bei kurzen Titeln als auch langen Textpassagen.

Egyptienne-Schriften

logo for Looy Crafts Studio
Design von C1k für Looy Crafts Studio.
Ella's Top Corral logo
Design by moonhead for Ella’s Top Corral logo.
Into the Wild beer logo
Design by ve_sta.

Egyptienne-Schriften bezeichnet Schriftarten mit beeindruckenden, großen Serifen. Sie sind die lauten Cousins der klassischen, ruhigen Serifenschrift, die auf Werbetafeln, Postern und Flugblättern des 19. Jahrhunderts berühmt wurden, gestaltet, um ihre Botschaft aus einer guten Entfernung herauszuschreien. Später entwickelten sie sich zu etwas vornehmeren Formen, wie die stets beliebte Clarendon, die auch für längere Textabschnitte funktioniert.

Egyptienne-Schriften bringen beinahe immer einen Vintage-Vibe in ein Design. Sie haben eine raue Athletik, die man nicht verleugnen kann. Die klassischen Formen funktionieren unglaublich gut für jede Marke, die mit Outdoor in Verbindung steht, und die verfeinerten, modernen Varianten fühlen sich immer ein bisschen künstlerisch an – wahrscheinlich, weil beinahe jede Schreibmaschinenschrift eine Egyptienne ist.

Serifenlose Schriften

web design with sans serif font
Design von Mike Barnes für Block Precision.
Logo for Hamesa Villas
Design by ludibes for Hamesa Villas.
Honest to Coffee logo
Design by Skilline.

Serifenlose Schriften sind Schriftarten, die keine kleinen Füßchen haben. Sie kamen Mitte des 19. Jahrhunderts auf, aber hatten erst in der sogenannten Moderne, in den 20er- und 30er-Jahren ihren großen Auftritt. Sie wurden als neu und auffällig betrachtet, wie kürzere Röcke und der Charleston-Tanz. (Fun Fact: Du findest noch immer serifenlose Schriften mit dem Wort „Grotesk“ im Namen, dank der Menschen, die der Meinung waren, sie wären krass und nur gut für die Werbung.) Mitte des Jahrhunderts schufen deutsche Designer mit diesen fußlosen Formen Schriftarten, die noch heute beliebt und kultig sind, wie Futura und Helvetica.

Serifenlose Schriften werden immer noch als die ökonomischste, effizienteste, sauberste und modernste Wahl betrachtet. Sie sind auch in unterschiedlichsten Größen lesbar und ihre weniger detaillierten Formen haben sich hervorragend den digitalen Bildschirmen angepasst. Serifenlose Schriften sind fett und ein bisschen herrisch – während sie gut für lange Textabschnitte funktionieren, haben sie auch schon immer bei größerer Verwendung, wie Überschriften und Logos geglänzt.

Schreibschriften

Logo for Julians
Design von Project 4 für Julian’s.
Fry Daddys logo
Design by Wintrygrey.
Logo for Daniela Poggi
Design by Milena Vuckovic for Daniela Poggi.

Schreibschriften sind solche, die kursive Handschrift nachahmen. Sie werden in zwei Kategorien unterteilt, die an eine Einladung zu einer Party erinnern: formal und ungezwungen. Formale Schreibschriften sind, wie der Name impliziert, die schicksten Schriftarten. Sie erinnern an die unglaubliche Handschrift von Meistern des 17. und 18. Jahrhunderts. Sofort zu erkennen sind sie durch ihre oberen Kringel und Verzierungen, die sich von den Serifen erstrecken. Diese werden auch Schwünge genannt. Sie sind mit Vorsicht zu behandeln. Sie für einen längeren Text zu verwenden, kann dazu führen, dass dein Design an die Unabhängigkeitserklärung der USA erinnert. Für Hochzeitseinladungen, Buchcover für Liebesromane und jedes Design, dass sich historischer anfühlen will, werden sie allerdings nie aus der Mode kommen.  

Zwanglose Schreibschriften entwickelten sich im 20. Jahrhundert und ähneln weniger der Arbeit von Kalligrafen als der von Schildermalern. Diese Schriftarten haben weit weniger Schwünge und sind lesbarer. Sie funktionieren gut bei allem mit einem lässigen, schlichten Gefühl, einschließlich Logos, Poster und Flugblätter und tendieren dazu, sich zeitlos anzufühlen.

Handschriften

Wolf Town logo
Design von jestyr37.
Muscovy Farm logo
Design by Freshinnet.
Sweatergang logo
Design by Brands by Sam for Sweatergang.
Erin Blackwell logo
Design by Cit.
Birth, Etc. logo
Design by ultrastjarna.

Anders als formale oder zwanglose Schreibschriften waren Handschriften noch vor zehn Jahren schwer zu finden. Handschriften fehlt oft die Struktur und Definition der Buchstabenform einer traditionellen Schrift. Stattdessen imitieren sie die Schleifen und den Fluss natürlicher Handschrift. Technisch gesehen könnten sie auch serifenlose Schriften sein und erinnern an den nur in Großbuchstaben geschriebenen Text deines Papas auf der Geburtstagskarte. Die schiere Vielfalt macht es schwer, handschriftliche Schriftarten zu beschreiben, aber die jüngste Explosion von verfügbaren Formen bleibt aufgeregt zu beobachten.

Sie funktionieren wirklich gut für Buchcover und Poster und sind beim Logo-Design unvermeidbar, da sie einen kreativen, einzigartigen Touch mit sich bringen, den beinahe jedes kleine Unternehmen einfangen möchte. (Ein kleiner Hinweis: Schau dir handschriftliche Schriftarten sorgfältig an, bevor du sie kaufst. Manchmal nimmt man in der Eile, eine wirklich individuelle Schriftart zu finden, Abkürzungen. Eine lustige Schriftart ist toll für Überschriften, aber manchmal fehlt ihnen die ganze Bandbreite an Buchstaben und Interpunktion.)

Tipps für das Kombinieren verschiedener Schriftarten

packaging design with different font types
Dieses Verpackungsdesign von Wooden Horse kombiniert erfolgreich verschiedene Schriftarten miteinander.

Erdnussbutter und Marmelade. Das Internet und Katzen. Manche Dinge gehören einfach zusammen. Schriftarten sind nicht anders. Eine schnelle Suche ergibt eine Unzahl bestimmter Vorschläge, wie man verschiedene Schriftarten kombinieren kann, indem sie sowohl einfach zu findende Schriftarten verwenden, die bereits auf deinem Computer sind, als auch solche, die du selbst gesucht hast. Einige grundsätzliche Richtlinien: Wie bei allen Designaspekten gilt, Kontrast ist wichtig. Nichts ist besser, als eine serifenlose Schrift in Großbuchstaben und eine kursive Serifenschrift. Die Leichtigkeit des Kursiven balanciert die schwere, dunkle Stärke der serifenlosen Schrift aus. Manchmal geht es nicht einmal darum, Schriftarten verschiedener Familien zu kombinieren – die meisten serifenlosen Familien haben eine ganze Bandbreite von Stärken und Laufweiten, daher kann eine Schriftart auf verschiedene Arten im selben Design verwendet werden. Verdichtet und schwer für eine Überschrift, normal stark für einen Textkörper. Unterschätze niemals, wie vielseitig eine einzelne Schriftart sein kann.

Die besten Schriftarten für Web und Papier

Font Bureau’s Antenna font
„Font Bureau’s Antenna“, eine stylische, quadratische, serifenlose Schrift wurde als Teil ihrer Reading Edge™ Series für die Verwendung auf Bildschirmen optimiert. Via CreativePro.

Wie oben bereits angemerkt sind serifenlose Schriften aufgrund der wachsenden Bedeutung digitalen Designs in ihrer Beliebtheit angestiegen. Aber unabhängig von der Familie sind alle Schriftarten, die für die digitale Verwendung gedacht sind, so optimiert, dass sie die Lesbarkeit und Performance auf dem Bildschirm bei einer Vielzahl von Formaten verbessern. Das bedeutet weniger Belastung für die Augen und Ermüdung für die Person, die mit deinem Design zu tun hat.  Wenn du ein Webdesigner bist, ist das unglaublich wichtig.

Auf der anderen Seite sind viele Schriftarten für das Web individuell für Webseiten gemacht, um das volle Potenzial des Designs auszuschöpfen, und beinhalten nicht einmal eine passende Desktop-Schriftart.

Denke an die Zeit

classic design with script and serif fonts

Ein wunderschönes, klassisches Design von Martis Lupus, das traditionelle Schreibschriften und Serifenschriften verwendet.

Der wichtigste Ratschlag, wenn es darum geht, einen Schriftstil auszuwählen, ist, immer an die Zeit zu denken. Wie oben bereits erklärt trägt jeder Schriftstil sein eigenes Päckchen mit sich, das mit seinem Ursprung und wann er beliebt wurde verbunden ist. An den Zeitabschnitt zu denken, an den die Schriftart erinnert, ist ein guter Weg, die richtige Schriftart zu wählen: Eine viktorianisch gefärbte, kalligrafische Schreibschrift ist einfach eine schlechte Wahl für ein Webdesign-Unternehmen. Wohingegen eine geometrische, serifenlose Schrift, die ein Science-Fiction-Feeling verbreitet, wohl nicht besonders gut für einen Landschaftsbaubetrieb funktioniert.

Schau genau hin

Nun, da du die unterschiedlichen Schriftarten kennst, wirst du in der Lage sein, dein Design auf die nächste Stufe zu heben. Und weil die besten Ratschläge oft die kitschigsten sind: Hab Spaß und experimentiere! Manchmal erzeugt eine Kombination aus zwei Schriftarten eine Komposition, die mehr als die Summe ihrer Teile ist, und ein anderes Mal wird nur eine Schriftart die Antwort auf all deine Designprobleme sein, von der du nie gedacht hättest, dass sie jemals funktionieren könnte. Und vergiss nicht, selbst die erfahrensten Designer probieren mehrere Schriftstile und Kombinationen, bevor sie die richtige finden. Mach dich mit den Regeln der Schriftarten vertraut, damit du Risiken eingehen kannst und dein nächstes Typografie-Projekt wirklich zum Glänzen bringst!

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