Horrorfilme gehören zu Halloween wie Süßigkeiten und Kürbisse.

Horrorfilme gibt es seit knapp 120 Jahren. Einiges hat sich seit Georges Méliès’ The Haunted Castle getan (obwohl, vielleicht nicht so viel), sowohl bei den Filmen als auch bei der Art, wie sie beworben werden.

Filmplakate (mit der sogenannten „Key Art“, einem besonders herausragenden Bild, welches das Fundament jeder Werbekampagne für einen Film bildet) gibt es so lange wie das Kino selbst. Viele von ihnen sind im Laufe der Jahre verlorengegangen. Vor dem Aufkommen des Fernsehens reisten Filme monatelang – manchmal Jahre – quer durchs Land, von Theater zu Theater und die Plakate reisten selbstverständlich mit. Sie bekamen Risse, wurden schmutzig oder blichen aus, bis sie schließlich einfach weggeworfen wurden.

Dennoch haben Sammler es geschafft, einige noch erhaltene Filmplakate zu retten und sie zu restaurieren. Da wir heute Halloween feiern, dachten wir uns, euch mal eine historische Tour durch die besten (und ein paar der schlechtesten) Horrorfilmplakate der vergangenen Jahrzehnte zu geben.

Horrorfilmplakate von Stummfilmen

Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)

the cabinet of dr. caligari poster

Du magst vielleicht denken, der abstrakte Stil mit seinen komischen Perspektiven und sich andeutenden Strukturen sei unpassend für einen Film, welcher von Natur aus ein mimisches Medium ist (also etwas, das aussieht wie das, was es repräsentiert). Tatsache ist, dass „Das Cabinet des Dr. Caligari“ ziemlich genau so aussieht. Die Kulissen wurden absichtlich schief gebaut, die Gesichter der Darsteller stark geschminkt; das Art Department malte sogar unnatürliche Schatten auf den Boden.   

Nicht nur ragt die schwarz gekleidete Figur über der bewusstlosen Frau (ein Motiv, das wir noch öfter in diesen Plakaten sehen werden), sondern die ganze Stadt selbst kommt immer näher. Die Laterne lehnt sich nach vorn, schaut über Cesares Schulter die Frau an und genau so tun es auch die abstrakten Formen der rechten Seite.

Davor fällt der Blick auf den gelben Text auf rotem Hintergrund (ein Mittel, das der Schwarz-Weiß-Film nicht anwenden kann). Oben auf der Brücke steht unsere Titelfigur Dr. Caligari. Aber wenn man den Film nicht kennt, könnte man ihn auch einfach für einen Passanten oder unglücklichen Fußgänger halten, der durch unsere schändliche Szene stolpert.

Auf diese Art lässt das Plakat die Zuschauer nach einem Mann mit einem ungewöhnlich Großen Zylinder suchen, ohne viel von der Story zu verraten. (100 Jahre alter Spoiler: Caligari ist der Bösewicht, nicht Cesare.) Wäre doch nur jede Filmwerbung so subtil.

Häxan (1922)

haxan poster

Hier sehen wir wieder das erregende Bild einer Frau, die sich ihres bevorstehenden Unheils nicht bewusst ist, mit dem zusätzlichen lasziven Element ihrer kompletten Nacktheit. Sie scheint schlafzuwandeln oder zumindest blind herumzutasten, ungeachtet der gut beleuchteten Umgebung im Wald.

Der ganze unschuldige Spaß ist umrahmt von einem dunklen, unheilvollen Baum, in dem ein Teufel hockt. Obwohl er sich am oberen Rand des Bildes befindet, ist er nicht das, was die meisten Leute als Erstes wahrnehmen. Seine Haut ist dunkelrot und unser Blick fällt auf den helleren Mittelteil des Bildes. Deshalb sind die ausgestreckten Hände der Frau, die auf die obere rechte Ecke zeigen, so wichtig. Es ist, als würde sie sagen wollen „Oh, dir gefällt Voyeurismus? Nun, dem TEUFEL auch.“

Es ist unmöglich zu sagen, wer sich im Publikum mit der Frau und wer mit dem Teufel identifiziert. Da „Häxan“ schwedisch für „Hexe“ ist, ist die Frau möglicherweise ebenfalls am Teufel interessiert und der Unterschied spielt gar keine Rolle.

Nosferatu (1922) & Die verlorene Welt (1925)

nosferatu poster

Hier sehen wir die Entstehung eines weiteren Horrortrends: Das Plakat, bei dem der Bösewicht im Mittelpunkt steht. Beide geben ihren Monstern eine dynamische Energie.

Count Orlok wird als monströse, lang gestreckte Kreatur illustriert. Die leere Augenhöhle und die Reißzähne, die unmöglich in seinen Mund passen können, lassen keinen Zweifel daran, wer der Bösewicht ist. Geschwindigkeitslinien, die sich um den Titel herum befinden, vermitteln den Eindruck, dass er seine Klauen mit großer Kraft erhebt. Die Ratten springen in die entgegengesetzte Richtung, quer durch das Bild statt nach oben.

Selbst der Credit-Teil nutzt einen Mix aus verschiedenen Schriftgrößen, Farben und Verzerrungen, um den Betrachter aus der Balance zu bringen. Nichts ist beständig in der Welt von Nosferatu.

Bei „Die verlorene Welt“ ist die Pose des Dinosauriers ebenfalls dynamisch. Er schreitet mit seinem rechten Fuß vorwärts und schwingt seinen Kopf nach links. Die Spur seines zähflüssigen Speichels macht die Drehung deutlich.

the lost world poster

Die Augenlinie bringt den Betrachter zum unteren Teil des Bildes, wo wir ein wahres Gefühl für den Maßstab bekommen. Die fliehenden Menschen sind winzig und belanglos. Selbst die Straßenbahn scheint versehentlich weggetreten zu werden. Der Dinosaurier ist so riesig, dass er selbst den Titel an das obere Ende des Bildes drückt.

Bei all der Aufregung kann leicht der Text auf der rechten Seite übersehen werden. Sir Arthur Conan Doyle war noch am Leben und berühmt, als der Film erschien, aber sein Name ist in dünner Schrift auf das Plakat gedruckt und schwer zu lesen. Derselbe Abschnitt würdigt „Research and technical director“, als ob das Publikum sich auch nur annähernd dafür interessieren würde, ob der Film paläontologisch korrekt ist.  

Ein riesiger Dinosaurier! Der Sachen zertrümmert! Das ist es, was wir sehen wollen und was das Plakat uns gibt.

Der Mann, der lacht (1928)

Carl Laemmle wählte einen anderen Ansatz, um das literarische Werk seines Films zu präsentieren. Victor Hugos Name ist in großer Schrift geschrieben, größer als Laemmles (obwohl Laemmle dennoch seinen Namen zuerst nennt), beinahe so groß wie der Titel.

the man who laughs poster

Es ist klar, dass dies kein durchschnittlicher Gruselfilm ist. Die Pose ist melodramatisch mit dem Pärchen, das sich an den Händen hält. Sie zieht sich an ihm herauf, vielleicht für einen Kuss. Aber sein Gesichtsausdruck ist verängstigt. Seine linke Hand klammert sich an das Bett und er wirkt insgesamt sehr steif.

Und an dieser Stelle spielen Kunst und Text zusammen. Es gibt nur einen Mann auf diesem Plakat, aber sein Mund ist komplett bedeckt. Vermutlich ist er der Mann, der lacht, also warum sollte er seinen Mund verdecken? Offenbar stimmt etwas mit seinem Mund nicht. Man muss den Film gucken, um das herauszufinden. Und das ist der Zweck eines Filmplakats.

Der Unbekannte (1927)

the unknown poster

Eine weitere spärlich bekleidete Frau und ein weiterer lüsterner Mann, der sich herunterschaut. Ah ja.

Das Layout legt einen größeren Schwerpunkt auf den Text als auf die Illustration. Aus zehn Meter Entfernung kann man LON CHANEY in klarer, gelber Schrift erkennen. Aber was tut die Frau in dieser unbehaglichen Pose? Es wird einem nicht klar, bis man es näher betrachtet und feststellt, dass dies Messer sind, von denen sie umgeben ist.

Chaney hat ganz klar eine böse Absicht und Crawford hat Angst. Aber warum genau? Abgesehen davon, dass die Proportionen nicht stimmen und er riesig zu sein scheint.  

Bemerkenswert ist, was nicht dargestellt ist. Chaney spielt einen armlosen Zirkusfreak (Regisseur Tod Browning hat später auch beim klassischen Zirkusfilm Freaks Regie geführt), aber das kann man dem Plakat nicht entnehmen. Ein Typ, der Messer mit seinen Füßen wirft? So zieht man das Publikum an.

Gothic-Horrorfilmplakate

Dracula (1931)

dracula movie poster

Hast du schon genug, von knapp bekleideten Frauen? Tod Browning und Carl Laemmle offenbar nicht.

Dieses Mal jedoch ist die Bedrohung konturlos. Die Augen sind das einzig Menschliche an dieser dunklen Gestalt und selbst sie sind groß und rot. Zunächst scheinen sie vielleicht sogar wütend. Aber dann liest man „the strangest passion“ („die außergewöhnlichste Leidenschaft“) und das Bild steht in einem neuen Kontext.

Unabhängig davon ist der auffallende rotgelbe Text definitiv das Erste, das du siehst. Der Text ist so groß, dass er sich von einer Seite zur anderen erstreckt. Das bekannte Buch ist nun ein bekannter Film. Das will das Plakat dich wissen lassen.

Ein fragwürdiger Aspekt des Layouts ist die Platzierung des Universal Pictures Logo. Über dem Kopfkissen sieht es aus, als würde Mina (ich nehme an, es ist Mina) auf einem ungemütlichen Globus schlafen. Eine bessere Stelle wäre möglicherweise neben dem Mond im Fenster gewesen.

Dr. Jekyll and Mr. Hyde (1931)

Dieses Plakat hebt klugerweise die Doppelrolle von Frederic March hervor, der für seine Darstellung den Oscar als bester Hauptdarsteller gewann.

dr jekyll and mr hyde poster

Der für sein gutes Aussehen bekannte Filmstar ist vorne links als Dr. Jekyll platziert, aber direkt über seiner Schulter befindet sich der grässliche Mr. Hyde. Alles an ihm ist anders, nicht nur das Makeup, sondern auch das Kostüm (kein Hut über seinem ungekämmten Haar) und sein Ausdruck.

Dieses Mal starrt der lüsterne Mann direkt uns an. Es ist nicht weiter eine attraktive Frau, die sich in Gefahr befindet, sondern du (es sei denn, du bist eine attraktive junge Frau).

Frankenstein (1931) & Der Unsichtbare (1932)

Hier haben wir zwei Filme vom selben Regisseur, die von schief gelaufenen Experimenten handeln, mit zwei sehr unterschiedlichen Plakaten.

Bei Frankenstein ist das zentrale Element des Plakats der Text. Also wirklich. Wenn ich lesen wollte, würde ich nicht ins Kino gehen. Alles andere wird zur Seite geschoben: Die Wissenschaftler, der …  andere Wissenschaftler (?), die Frau im Hochzeitskleid. Und was sagt schreckliche Monstrosität so sehr wie Hochzeitsgesellschaft? Das Monster selbst scheint nachträglich hinzugefügt worden zu sein, als hätte es ein Portrait unabhängig von allen anderen aufnehmen lassen.

Die Charaktere wurden generell an den Rand des Plakats gepackt. Es ist unmöglich zu sagen, wer wichtig ist, wer nur ein Nebendarsteller oder worum es in dem Film geht. Eine brennende Windmühle? Warum haben sie überhaupt eine Hochzeit in einer Windmühle gefeiert? Nichts davon ergibt Sinn.

Bei „Der Unsichtbare“ ist der Hauptcharakter selbst das Schlüsselelement, eindrucksvoll groß und über die gesamte Komposition ragend. Er sieht aus, als würden Laser aus seinen Augen schießen, was … ungewöhnlich … ist. Ein wesentlich coolerer Effekt ist, dass er sich aus dem Rauch, der aus Dr. Cranleys Reagenzglas aufsteigt, zusammenzusetzen scheint. Seine Unsichtbarkeit ist schließlich das Resultat eines Experiments.

Der Zweck und die Absichten der Charaktere rechts ist weniger klar. Schaut er sie an oder das Reagenzglas? Sollen sie überhaupt in derselben Szene sein? Vielleicht wollte Universal auch nur sicherstellen, dass das Publikum weiß, dass Gloria Stuart und William Harrigan im selben Film sind.

Freaks (1932)

freaks poster

Hier haben wir ein Plakat, das uns sagt, worum es geht. Der große, rote Text sagt einfach „FREAKS“. Der Text biegt sich nach unten und richtet unseren Blick auf die namensgebenden Charaktere.

Und obwohl diese Charaktere Missbildungen haben, erscheinen sie nicht monströs oder bösartig. Einige von ihnen sind schlicht neugierig und strecken sich nach den gesunden Menschen (namens Hercules und Cleopatra). Sie sind wiederum ebenfalls nicht verängstigt, sondern reichen ihre Hände.  

Auf diese Weise ist die gesamte Komposition recht dynamisch. Man liest von rechts nach links, dann hinunter entlang der Reihe von Freaks, die säuberlich angeordnet sind, damit wir jeden deutlich sehen können, kreisen links zu Cleopatra und Hercules und schauen wieder zurück. Der Effekt spiegelt den Film gut wider, welcher weniger absoluter Horror ist, sondern eher befremdlich und zum Nachdenken anregt.

the wolf man poster

Der Wolfsmensch (1941)

Der Wolfsmensch ist vielleicht der Gipfel aller “gruseliger Typ beugt sich über ohnmächtige Frau“-Poster, denn wir werden es für die nächsten 40 Jahre nicht mehr sehen.

Es übernimmt auch das „Monster aus dem Rauch“-Motiv von „Der Unsichtbare“, auch wenn es in diesem Fall der Kessel einer Zigeunerin ist. Zugegebenermaßen, Evelyn Ankers schwebt ebenfalls im Dunst, aber ich schätze, die mussten einfach irgendwie einen Ausschnitt mit einbringen.

Der Titeltext ist für meinen Geschmack ein bisschen zu blockartig und erinnert zu sehr an einen Cartoon. Er sieht aus, als gehöre er eher zu einer Sendung wie Familie Feuerstein. Man könnte argumentieren, dass Lon Chaney Jr. zu einem eher primitiven Zustand zurückgeht und die Schrift dies widerspiegeln soll, aber wir haben ja bereits festgestellt, dass dieses Plakat nicht weiß, was es darstellen soll.

Die größte Schwäche ist die Reihe von schwebenden Köpfen entlang des linken unteren Randes. Worauf wollen sie hinaus? „Hier sind ein paar Gesichter! Die du kennst! Gib uns Geld!“

Apokalyptische Horrorfilmplakate

Them (1954) & Godzilla (1954)

Them und Godzilla erschienen beide im selben Jahr und handeln von riesigen Monstern, die eine Großstadt an der Pazifikküste angreifen. Nur einer von beiden ist ein Klassiker, aber der andere hat das viel bessere Plakat.

Der springende Punkt beider Plakate ist Größe, aber bei Godzilla ist es schwierig, ein Gefühl für den Maßstab zu bekommen. Man kann hinter dem Text kaum die Gebäude erkennen; man kann nicht einmal seine Füße sehen. Die Perspektive scheint auf Brusthöhe zu sein, was nicht leicht umzusetzen sein sollte, wenn man über eine 50 Meter große Echse spricht. Die einzigen Dinge, die einem ansatzweise den Maßstab bewusst werden lassen, sind die Flugzeuge, aber diese stehen nicht einmal im richtigen Größenverhältnis zueinander.  

Dann ist da noch dieser riesige, fette Text, der vermutlich „Gojira“ bedeutet. Was daran falsch ist, fragst du? Godzilla ist groß. Der Text ist groß. Okay, aber er ist größer als Godzilla. Er macht ihn nicht wirklich zu einem Zwerg, aber er wirkt wesentlich weniger eindrucksvoll, wenn er nicht allein steht. Dazu kommt der ganze andere Text von rechts und unten. Godzilla wird vom Text eingeengt. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was ich von Godzilla erwarte.

Vergleichen wir das mit Them: Der Titeltext ist ebenfalls riesig (und man muss die gezackten Kanten einfach lieben), aber diesmal ist das riesige Tier davor und verdunkelt es zum Teil. „Them“ ist immer noch deutlich zu erkennen, aber dadurch, dass nur ein Teil der Ameise gezeigt wird, die ihn verdeckt, scheint das Insekt gigantisch.

Das Plakat beinhaltet auch viel mehr Tiefe, als wir es in früheren Plakaten gesehen haben. Der Feuersturm verschwindet in der Ferne, wo eine zweite große Ameise mit noch mehr Soldaten kämpft. Der Maßstab der Szene ist so riesig wie die Ameisen.

Die Nacht der lebenden Toten (1968)

night of the living dead poster

Während alle oberen Filme schwarz-weiß sind, ist dieses Plakat interessanterweise unser einziges Schwarz-Weiß-Plakat.

Es ist mehr eine Collage als eine tatsächliche Szene, aber die vermittelt definitiv alle Höhepunkte: Kannibalismus, entsetzte Opfer, die Untoten und eine nackte Frau (natürlich). Es ist unmöglich zu sagen, wer der Hauptcharakter in diesem Chaos ist, was eine fantastische Art ist, dem Publikum zu sagen, dass jeder sterben kann.

Der Titeltext, mit seinem grünen Text, der auf dem schwarzen Hintergrund hervorspringt, ist fantastisch. Die unebenen Buchstaben sehen aus wie etwas, das ein hirngeschädigter Zombie schreiben würde.

Vom weißen Text darunter bin ich weniger fasziniert. Er ist gedämpft, aber der Inhalt selbst ist überreizt. Entweder sollte die Schrift verrückter sein oder der Inhalt subtiler.

Zu guter Letzt guckt der Kopf eines Zombies oben heraus. Was ist hier passiert? Ich bin immer dafür, dass Monster durch das Bild „brechen“, aber es sieht aus wie ein Fehldruck, wenn es nur bei einem Typen passiert.

Angesehene Horrorfilmplakate

Der Exorzist (1973)

Ob du es glaubst oder nicht, es gab eine Zeit, in der Horrorfilme Oscars gewinnen konnten. Der Exorzist war für 10 Oscars nominiert und gewann zwei.

Dieses Plakat untermauert die künstlerischen Ambitionen des Films, indem es zuerst sein literarisches Werk angibt („William Peter Blatty’s“), gefolgt von einem simplen, eleganten Titel.

Darunter befindet sich ein perfekt arrangierter Schnappschuss eines Mannes, der auf dem Gehweg steht, beleuchtet von einem mysteriösen Fenster. Traditionell denken wir bei einem Lichtstrahl direkt an Gott. Somit erscheint diese silhouettenhafte Figur womöglich gottlos. Aber er steht stramm und unerschrocken. Das Licht wiederum ist nicht sonderlich gottgleich; es ist völlig außer Kontrolle.

Nein, was auch immer in diesem Haus ist, ist dämonisch und dieser Mann ist hier, um es auszutreiben.

Aber das ist nicht die einzige Variante dieses Plakats…

Rechts ist ein alternatives Design. Die Ironie ist fesselnd: Ein unschuldiges Engelchen, dem das Böse ausgetrieben werden muss? Aber die Schrift sieht aus wie von einer Adam Sandler Komödie. Sie hoffen, dass du den Witz verstehst, aber der intuitive Eindruck ist komplett falsch. Kneif deine Augen zusammen und ignoriere die Worte; konzentrier dich darauf, wie es sich anfühlt. Es könnte eine Kopie von Ein Zwilling kommt selten allein sein.

Das ist die Art Witz, die clever scheint, besonders, wenn man den Film gesehen hat, aber es wird neue Zuschauer einfach nur verwirren. Es wird die Leute, die einen Horrorfilm sehen wollen, nicht anlocken, sondern möglicherweise versehentlich Familien anziehen. Mit anderen Worten, es verfehlt das Ziel einer Produktwerbung komplett. So clever es auch ist, man versteht, weshalb es abgelehnt wurde.

Jaws (1975)

Marketingleiter 1: „Wie heißt der Film?“

Marketingleiter 2: „Der weiße Hai.“

Marketingleiter 1: „Was sollen wir aufs Plakat machen?“

Marketingleiter 2: „Einen weißen Hai.“

jaws poster

Marketingleiter 1: „Erledigt! Lass uns Mittag essen.“

Alien (1979)

Hier haben wir ein Plakat, das originelle Kunst anwendet, die das Feeling des Films hervorruft, ohne tatsächlich etwas aus dem Film darzustellen. Tatsächlich sieht dies nicht annähernd wie das Ei aus dem Film aus; es sieht mehr wie ein Hühnerei aus. Denn genau das ist es.

Der unheimliche Nebel und das innere Leuchten sind genug, um dem Hühnerei eine jenseitliche Atomsphäre zu geben, passend für einen Film namens Alien. Der Titeltext ist ultramodern für die 1970er Jahre und gibt ihm einen futuristischen Vibe, während die breite Unterschneidung alles seltsam erscheinen lässt.

The Shining (1980)

Dieses Plakat wurde vom legendären Designer Saul Bass kreiert, unter der Anleitung des legendären Regisseurs Stanley Kubrick, also liegt es mir fern zu sagen, dass dieses Plakat keinen Sinn ergibt.

Ich würde mit Sicherheit nicht sagen wollen, dass das verängstigte Alienbabygesicht mir absolut nichts über den Film verrät. Ich würde nicht sagen, dass der Scheinwerfereffekt, zusammen mit dem Titel des legendären Horrorautoren Stephen King, möglicherweise den Zuschauer dahin gehend täuscht, dieser Film könnte von einem hellen Licht handeln. Und wer bin ich schon zu sagen, dass der Credit-Teil, der den legendären Schauspieler Jack Nicholson hervorhebt, das ansprechendste an diesem Plakat ist?

Zu guter Letzt möchte ich nicht andeuten, dass die anderen abgelehnten Designs von Bass in jeder Hinsicht überlegen sind, sowohl als Kunst als auch als Werbung.

Slasher-Filme

The Texas Chainsaw Massacre (1974)

the texas chainsaw massacre poster

Obligatorischer Frau-in-Gefahr Kommentar.

Für einen Film, der bekanntermaßen blutig ist, macht dieses Filmplakat einen guten Job darin, es nicht zu zeigen.

Die Frau ist entsetzt, aber wir sehen nicht, was ihr passiert. Statt sich auf Blut zu konzentrieren, haben die Designer dieses Plakats ihren Fokus auf den cleveren Untertitel gelegt, „Who will survive and what will be left of them?“ („Wer wird überleben und was wird von ihnen übrig bleiben?“). Gruselig. Sie übertreiben es nicht durch übermäßige Dicke oder Farbe oder sonst was.

Aber dann gibt es noch zwei weitere Untertitel? Warum? Das „brutal crimes“ unterbricht das Bild. Und der untere Text? Komplett unnötig. Euer Film heißt Texas Chainsaw Massacre. Es ist alles gesagt. Hört auf zu reden.

Halloween (1978)

halloween poster

Halloween ist der Slasher-Film. Er hat das Genre vielleicht nicht erfunden, aber es perfektioniert. Er wirft einen Schatten über jeden Horrorfilm der letzten 38 Jahre.

Schade, dass das Plakat scheiße ist.

Die Titelschrift ist großartig. Sie beschwört die alten Zeiten herauf, während sie dennoch sauber und leicht zu lesen … Warum ist das N größer? Was ist da los? HalloweeN? Was?

Das zentrale Bild ist ein Kürbis. Weil Halloween ist. Erwischt. Er hat so eine Art Fangzähne, schätze ich? Aber sie sind nicht wie die Augen und Nase in den Kürbis geritzt. Das wäre irgendwie cool, bis man den Transformationseffekt sieht, auf den sie es abgesehen haben: Der Kopf von Jack O’Lantern verwandelt sich in (vermutlich) Michael Myers Hand. Es ist ein alberner Effekt, wie das sich schnell bewegende Messer die Form des Kürbis formt. Nur dass die angedeutete Bewegung von links nach rechts geht, wohingegen er nach unten stechen sollte. Sie versuchen ein traditionelles Symbol für Halloween mit einem schlitzenden Messer zu verknüpfen und das funktioniert einfach nicht.

Evil Dead (1981)

evil dead poster

Das ist ganz klar mein Lieblingsplakat in dieser Liste. Es hängt tatsächlich an meiner Wand.

Es passiert nichts dergleichen im Film, aber es ist eine perfekte Darstellung von The Evil Dead. Die Perspektive ist in einem abgeschrägten Winkel; die Haltung der Schauspielerin ist dynamisch in jeglicher Richtung; das Monster ist erbarmungslos, nicht einmal die Erde selbst kann es aufhalten.

Das Stephen-King-Zitat füllt den Negativraum gut aus, beinahe wie eine Flagge, die vom ausgestreckten Arm der Frau weht und deine Aufmerksamkeit fordert.

Der Titel ist verwinkelt und hat spitze Ecken, die Buchstaben sind ineinander gestopft. Das V und das A ragen über ihre Linien hinaus, als wollten sie wie das Opfer im Bild fliehen.

 

A Nightmare on Elm Street (1984)

a nightmare on elm street poster

Die zentrale Idee dieses Plakats ist ziemlich stichhaltig. Das Plakat für einen Horrorfilm über Albträume sollte eine verängstigte Frau im Bett beinhalten. Warum schläft sie nackt? Stell einfach nicht so viele Fragen.

Freddy Kruegers ausgestreckte Klaue, die über ihrem Kopf kreist, ist ebenfalls eine großartige Idee. Die gespreizten Finger entgegnen ihrem Haar, welches nach oben aufsteigt. Die Reflexion der Linse gibt dem Ganzen einen guten Touch und heben die Schärfe der Klingen hervor.

Aber Freddys wahnsinnig erzwungenes Gesicht ist ein bisschen zu viel des Guten. Zunächst mal kommt seine Hand aus seinem Kinn? Der Effekt lässt viel zu wünschen übrig; er vermischt sich mit dem Hintergrund und macht es schwer, die Konturen seines Kopfes zu erkennen. Dazu kommt, dass dort noch eine weitere Figur über Freddys Klinge an seinem kleinen Finger ist. Soll das Freddy sein? Er ist der einzige Bösewicht im Film. Warum ist er zwei mal auf dem Plakat?

Modern-Art-Horrorfilmplakate

It Follows (2015) & The Witch (2016)

Hier sind zwei Plakate, die an längst vergessene Zeiten erinnern. Nichts sagt mehr „retro“ als ein Neonschild und ein Auto aus den 1970er Jahren. Es weckt sofort Erinnerungen an die Blütezeit der Slasher-Filme. Das Plakat von The Witch bringt uns zurück zu Häxan: Wieder einmal finden wir eine nackte Frau vor, die durch einen Wald läuft.

Das Gewagteste an beiden Plakaten ist, dass absolut kein Horror gezeigt wird. Eins zeigt einfach zwei Leute, die in einem Auto rummachen. Aber die Welt um sie herum ist düster und es könnte alles Mögliche lauern (ähm, Entschuldigung) folgen.

Was The Witch betrifft ist diesmal kein Teufel in Sicht. Man sieht nur sie und den Mond. Ist sie die Hexe? Man kann es nicht sagen, ohne den Film gesehen zu haben. Und genau dazu sollte ein Filmplakat dich verlocken.

Apropos nicht sichtbar. Die Charaktere sind eindeutig nackt, aber man sieht nicht viel Haut. Die Beleuchtung (und im Falle von It Follows die Autotür) verschleiert die Details. Man kann nicht einmal ihre Gesichter erkennen. Diese Plakate wollen dich wissen lassen, dass es um Sex geht, aber es spielt keine Rolle, wer Sex hat. Und das ist der wirklich beängstigende Teil: Es könntest du sein.

Other Halves (2016)

other halves poster

Wie wir bereits viele viele Male besprochen haben, gehen Blut und Nacktheit auf Horrorfilmplakaten Hand in Hand. Other Halves dreht dieses Spiel um, indem es die gezeigte Frau nicht zu einem Opfer macht.

Natürlich, sie ist voller Blut, sicher, aber es ist ganz deutlich nicht ihr Blut. Und was immer auf ihrem Bildschirm zu sehen ist, muss ziemlich interessant sein, wenn sie es sich lieber ansieht, als sich zu reinigen. Dieses Telefon zusammen mit den Zahlen, die im Matrix-Stil vorbeifliegen, sagt uns, dass es in dem Film um eine bestimmte Art Technik geht.

Dieser digitale Effekt findet sich auch im Titel, mit den Schnitten quer durch die Mitte. Leider ist er dadurch schlechter zu lesen. Wenn du genauer hinschaust, siehst du, dass das „r“ in „other“ auf einer Höhe mit dem „h“ in „halves“ ist.

The Saturn Club (noch nicht erschienen)

the saturn club poster
The Saturn Club poster von LaurenWelschDesign™ für hendrickson.patrick

Im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen in dieser Liste, habe ich keine Ahnung, worum es bei The Saturn Club geht. Er ist noch nicht mal erschienen! Ich weiß, dass es ein Independent-Film ist, weil sie 99designs genutzt haben, um einen Designer für ihr Plakat zu finden. 

Das zentrale Bild ist etwas, das als „versteckter Totenkopf“ bekannt ist. Eine Tradition bei Horrorfilmplakaten, die Jahrzehnte zurückgeht, inklusive Das Schweigen der Lämmer und The Descent.

Hier ist er nicht wirklich versteckt, aber dass ist für das Plakat von Vorteil. Drei Menschen, die vor einer Hogwarts-artigen Schule stehen, sind nicht besonders beängstigend. Lege einen abgetrennten Kopf drüber und schon hast du einen Horrorfilm!

Der Titel haut mich nicht um, aber er passt zu den versnobten Figuren außerhalb der Schule. Den Text zu zerstückeln verdoppelt ebenfalls den Horroraspekt.

St. Jude’s Crossing (noch nicht erschienen)

st judes crossing poster
St. Jude’s Crossing poster von subsiststudios für bryandelorenzo

Hier ist ein weiterer Indie-Film, der sein Plakat durch einen Wettbewerb auf 99designs gefunden hat.

Ausnahmsweise haben wir einen oberkörperfreien Mann als zentrale Figur des Plakats. Er treibt horizontal in einem Pool mit, ich hoffe es zumindest, Wasser durchs Bild. Vielleicht durchquert er ihn sogar? (Das ist mir gerade erst aufgefallen!)

Das Plakat verrät uns nichts. Ist er tot? Starrt er ins All? Jude bzw. Judas ist der Schutzpatron, der in Not geratenen, aber das hilft uns nicht viel.

Während die Bildsprache faszinierend ist, gibt uns der schleierhafte Titel kaum genug Grund, ins Kino zu gehen. Ein Untertitel könnte viel dazu beitragen, uns aufzuklären, was die Absicht des Films ist.

Don’t Speak & Dead Smart (beide noch nicht erschienen)

Hier sind zwei Horrorfilmplakate, beide aus Wettbewerben auf 99designs, die sich beinahe an komplett unterschiedlichen Stellen der abstrakten Skala befinden.

Don’t Speak trifft jeden Punkt auf der Horrorfilmplakat-Checklist: Gruseliges Mädchen mit schwarzen langen Haaren? Check. Überall blaue Farbe, um das Blut hervorzuheben? Check. Kanten, die ins Dunkle übergehen? Check. Aufgeschlitzte Linien, die durch den Titel gehen? Check.

Dead Smart andererseits ist grafisch abstrakt; das Licht, das vom Telefon aufsteigt, erfüllt gleich zwei Aufgaben. Es fungiert als Geschwindigkeitslinien sowie als Illumination. Vielleicht erfüllt es sogar eine dritte Aufgabe, indem es den Blick von der Figur weg zum Titel des Films lenkt.

Aber glaube nicht, eins wäre zwingenderweise besser als das andere. Manchmal kann Doppeldeutigkeit dem Hauptzweck eines Plakats im Wege stehen: Leute dazu zu bringen, den Film zu schauen. Wenn ich mir das Plakat ansehe, weiß ich genau um welche Art Film es sich handelt und ich kann mir ziemlich sicher sein, ob ich ihn mögen werde oder nicht. Andererseits ist Dead Smart unglaublich markant: Es ist kein Plakat, das du sobald vergessen wirst.

Happy Halloween!