Wir haben uns alle herzlich über die Stockbilder einer Frau amüsiert, die allein mit einem Salat lacht – welch lächerlicher Witz einer Reihe von Stockbildern, die aus irgendeinem Grund hauptsächlich Frauen (meist weiße) als übertrieben begeisterte Salatesserinnen darstellen. Leider ist dies ein Symptom eines weitaus größeren Problems, welches einen negativen Einfluss auf die Menschen hat: das Fehlen authentischer Repräsentation in der Welt der Stockbilder.

A woman with a prosthetic leg drinking coffee, talking with boyfriend in kitchen
Ein Foto aus der Disability Collection von Getty Images, NDLA und OATH. Via Getty Images.

Stockbilder sind allgegenwärtig: Sie fallen aus allen Richtungen über uns her – Buchcover, Instagram-Anzeigen, Blog Posts, Website-Design und Werbetafeln. Stockbilder im Design sind mächtig: Dich selbst in einem Bild wiederzuerkennen bestärkt, fördert das Gefühl von Anteilnahme und steigert das Bewusstsein.

Wenn die Existenz verschiedener Identitäten, Hautfarben, Körperformen und Fähigkeiten nicht berücksichtigt wird, ist dies eine Auslöschung dieser Gemeinschaft. Deshalb ist Repräsentation wichtig.

Zu sehen, wie Barack Obama als erster Afroamerikaner zum amerikanischen Präsidenten gewählt wird; wie Adam Rippon als einer der ersten offen homosexuellen Männer bei den Olympischen Spielen antritt und gewinnt; wie Ada Hegerberg als erste Frau mit dem Ballon d’Or zur besten Fußballerin der Welt gewählt wird – ein Preis, der seit 1956 nur von Männern gewonnen wurde; Beyoncé auf dem Cover der Vogue zu sehen… all das ist Teil des wirklichen Lebens, nur leider in Stockbildern selten präsent.

Eine digitale Bibliothek für authentische und vielfältige Stockbilder

A photo of CreateHERStock founder Neosha Gardner, smiling and looking out the window
Neosha Gardner, Gründerin von CreateHERstock.com. Via Neosha Gardner.

An einem Nachmittag vor vier Jahren suchte Neosha Gardner nach Stockbildern für einen Lifestyle-Blog. Sie beschreibt sich selbst als „Creative Business Doula“, die ein Online Visual Studio für kreative Unternehmer betreibt. Damals suchte Gardner nach einem Bild von einer Person, die aussah wie sie, konnte aber keine authentischen Stockbilder von schwarzen Frauen finden.

Nachdem sie ihre Follower in den sozialen Medien befragte, realisierte Gardner, dass es ein großes Problem mit Stockbildern und der fehlenden Repräsentation gab. Die kreative Unternehmerin entschied, mithilfe ihres eigenen Könnens etwas daran zu ändern und schuf mit CreateHERstock ihre eigene Bibliothek mit kostenlosen Stockbildern, deren Schwerpunkt auf der Repräsentation afroamerikanischer Frauen liegt.

Two Black women laughing
Ein Lifestyle-Bild von CreateHERstock. Via I’sha Gaines.

CreateHERstock wurde 2014 als Quelle für kostenlose und hochwertige Lifestyle-Bilder schwarzer Frauen gegründet und richtet sich an Blogger, Kreative und Online-Influencer, die die Welt um uns herum in ihren Inhalten widerspiegeln wollen. Die Fotos sind stilsicher, wunderschön geschossen und decken von Familie über Arbeit bis hin zu Einkaufen und Geselligkeit alles ab. Die Bilder sind nur für die nichtkommerzielle Verwendung und können für redaktionelle Zwecke oder nichtkommerzielle Werbung genutzt werden.

Die Plattform hat momentan über 10.000 Nutzer, von Marketingagenturen und Schulen hin zu frisch gebackenen Bloggern und Grafikdesignern. Gardner macht die meisten Fotos selbst, zusammen mit Fotografin I’sha Gaines, die regelmäßig zur Bibliothek beiträgt.

CreateHERstock bietet sowohl kostenlose als auch Premium-Pakete, die Zugang zu über 200 kostenlosen Stockbildern oder gegen eine Gebühr zu einer größeren Bibliothek von über 2.000 Bildern bietet.

CHS-PROMO-newSite von CreateHER Stock auf Vimeo.

Gardner konzentriert sich des Weiteren darauf, die von ihr produzierten Stockbilder zu diversifizieren, und plant, die Repräsentation unterschiedlicher Generationen auf CreateHERstock zu verbessern.

a Black woman reading
Ein Foto aus der kostenlosen Bildbibliothek auf CreateHERstock. Via Neosha Gardner.

„In der Zukunft wollen wir für einige Fotoshootings mehr Models anwerben – männliche und weibliche – die eher im Alter 50+ sind. Wir haben ein paar Models, die 40+ sind und jünger aussehen, wodurch manche Menschen denken, wir würden nur Millennials bedienen. Wir wollen zudem mehr Bilder zu den Themen Bildung, Behinderung und mehr einbeziehen“, sagt Gardner.

Das Problem der mangelnden Vielfalt in Stockbildern geht über die Hautfarbe hinaus. Angesichts der Tatsache, dass jeder fünfte Mensch auf der Welt mit einer Behinderung lebt, ist der Mangel an Repräsentation in den Medien groß: Nur 2% der Bilder in den Medien spiegeln das Leben von Menschen mit Behinderung wider.

Smiling young female adaptive athlete getting advice from adaptive basketball coach during practice on summer evening
Ein Foto von Getty / OATH / NDLA. Stockbilder der Disability Collection Via Thomas Barwick/Getty Images.

Getty Images fand diese Daten heraus und wollte etwas ändern, daher starteten sie zusammen mit der NDLA (National Disability Leadership Alliance) und der Medien- und Technikfirma Oath eine neue Unterkategorie auf Getty Images: die Disability Collection.

Die Sammlung hat zum Ziel, Menschen mit Behinderungen zu zeigen, die ein erfülltes Leben führen und sich nicht von ihrer Behinderung einschränken lassen, die arbeiten, Zeit mit Freunden verbringen, lachen, spielen und das Leben genießen.

Getty Images plant, die Disability Collection durchgehend zu erweitern. Du kannst dich selbst auch bewerben, Teil eines Shootings zu werden, oder deine eigenen Fotos einreichen. Es bleibt zu hoffen, dass es eine starke Botschaft sendet, wenn Unternehmen wie Getty und Oath versuchen, Verantwortung für die Verbesserung in der Regel unterrepräsentierter Bevölkerungsgruppen zu übernehmen.

Getty kann sehen, wonach die Leute suchen, und die Suchanfragen nach inklusiven Bildern sind stark angestiegen: „Die weltweiten Suchdaten von 2016 bis 2017 zeigen, dass Suchen nach „Rollstuhlzugang“ auf GettyImages.com von Jahr zu Jahr um 371% gestiegen sind. Zusätzlich stieg die Nachfrage nach „behinderte Arbeiter“ um 254%, „Autismus Bewusstsein“ um 196% und „Taubheit“ um 144%.

Eine Sammlung wie diese auf ihrer Plattform kann es den Menschen sehr viel einfacher machen, Stockbilder zu finden, die eine größere Bandbreite an Menschen auf dieser Welt noch besser repräsentiert. Und das Bereitstellen von Sammlungen solcher Fotos wird hoffentlich die Repräsentation von Menschen mit Behinderungen in den Medien insgesamt steigern – um ihre Existenz anzuerkennen und das nicht nur aufgrund ihrer Behinderung.

Auf Getty findest du auch weitere Sammlungen wie die No Apologies-Sammlung, welche Bilder von Frauen mit anderen Körpermaßen und Hautfarben enthält als sonst in den Medien gezeigt.

Adobe ist ein weiteres großes Unternehmen, das Anfang dieses Jahres angetreten ist, mehr vielfältige Stockbilder in seiner Bildbibliothek anzubieten. The Fluid Self ist Adobes Bildersammlung, die eine diversere Bandbreite an Menschen und fließenden Identitäten enthält.

Weitere repräsentative Stockbilder findest du auf Representation Matters; dem #WOCintech-Fotostream auf Flickr – welcher Stockbilder unter einer Creative Commons Attribution Lizenz enthält – und Push Living – wo du inklusive Stockfotos von Menschen mit Behinderungen findest.

Du nutzt Stockbilder regelmäßig? Hier ist, was du tun kannst.

Wenn du für ein Design verantwortlich bist, das Menschen darstellt, egal ob für ein Buchcover, eine Website, einen Blog Post oder eine Instagram Ad, bist du verantwortlich dafür, daran zu denken, dass es sehr viel mehr Menschen auf dieser Welt gibt als heterosexuelle, weiße und gesunde.

Vielfalt und Inklusion in deinen Stockbildern wird dazu beitragen, deine Zielgruppe zu erweitern, wenn du mehr Hautfarben, Körperformen, Fähigkeiten oder Geschlechter einschließt. Du hast die Möglichkeit, sogar noch mehr Menschen zu erreichen, indem du in deinen Bildern Menschen einschließt, die in der Regel unterrepräsentiert sind. Und das gilt auch, wenn du Designer bist, denn du hast die Möglichkeit, deinem Kunden eine große Brandbreite an Optionen zu geben.

In einer Umfrage unter 1.000 US-Konsumenten letztes Jahr fand Sprout Social heraus, dass die meisten Konsumenten wollen, dass Marken sich für soziale Probleme einsetzen. „Die Menschen wollen, dass Unternehmen das nutzen, was sie selbst nicht unbedingt haben, Macht und Geld, um Veränderungen in großem Maße voranzutreiben.“

Diversity in stock images
Illustration von OrangeCrush

Progressiver Wandel findet bereits statt, daher ist es wichtig, dass dein Branding immer up to date mit dem sozialen Bewusstsein und der multikulturellen Landschaft der Welt ist. Im letzten Jahr entschied sich Nike für Colin Kaepernick für ihre „Just Do It“-Kampagne: Kaepernick ist ein NFL-Spieler, der ebenfalls dafür bekannt ist, Bewusstsein für die Kampagne „Black Lives Matter“ zu schaffen, indem er kniet statt zu stehen, wenn die Nationalhymne im Stadion gespielt wird.

Kaepernick setzte durch das Knien ein Statement und wurde sowohl von Fans als auch der NFL dafür kritisiert. Nikes Entscheidung, Kapernick für ihre Kampagne zu wählen, war weltweit eine starke Solidaritätsbekundung. Trotz aller Kritik meldete Nike für diesen Zeitraum ein besseres Ergebnis als erwartet und Kaepernick legte Beschwerde gegen die Besitzer der NFL ein, welche vor Gericht verhandelt wird.

Wir haben auch einige aktuelle Beispiele aus der Popkultur – beispielsweise die Romantik-Komödie Crazy Rich Asians aus dem Jahr 2018. Der Film war der erste seit 25 Jahren, dessen Besetzung ausschließlich aus Asiaten bestand, und wurde in den Kinos zur umsatzstärksten Romantik-Komödie der letzten 10 Jahre.

Gillette, die Rasiermarke bekannt für ihren Slogan „Für das Beste im Mann“, veröffentlichte vor Kurzem einen Kurzfilm, in dem es um Mobbing, Sexismus und Geschlechterungleichheit geht. Der Film ging viral und wird von allen Seiten kommentiert. „Diese Werbung ist nicht gegen Männer. Sie ist für die Menschlichkeit“, schrieb Bernice King, Tochter von Martin Luther King, auf Twitter. „Und er zeigt, dass Charakter die Verhältnisse ändern kann.“

Der Film war ein großes Risiko für Gillette, die im Grunde die Hälfte ihres Kundenstamms ins Visier nahmen und Männer für stereotypische Verhaltensweisen anprangerten. Auf der anderen Seite wurde die Werbung 27 Millionen Mal gesehen und in den großen Publikationen kritisch diskutiert. Daten von Adweek zeigten, dass Gillette auf neue Weise eine neue Zielgruppe angesprochen hatte – Frauen.

Vielfalt bei Stockbildern – Eine große Chance

girl with dog walking down stairs
Via Getty Images

Gardner, Gründerin von CreateHERStock, sagte mir, dass ihr ihre Erfahrung als Designerin essenzielle Einblicke in den Designprozess und in die Designbedürfnisse der Kunden gab. Etwas, aus dem Designer das Beste machen sollten, wenn es um Repräsentation geht.

„Designer sollten ihre Kunden dazu ermutigen, Bilder zu verwenden, die eine breitere Zielgruppe ansprechen“, sagte Gardner mir. „Du kannst nie wissen, wer deine Produkte kauft.“ Ihre Kunden sind nicht nur andere schwarze Frauen, die nach authentischen Stockfotos suchen, sondern Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen, die ihren Katalog als Hilfsmittel zu schätzen wissen.

Ob du nun also Designer oder Unternehmer bist, denke an Vielfalt, wenn du Stockfotos auswählst, und mache das Beste aus dieser riesigen Gelegenheit.

Willst du mehr darüber erfahren, wie man Stockbilder verwendet?
Lies hier unseren ausführlicheren Guide.